# DIE GESCHICHTE VOM LAHMEN

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Es war einmal ein Weiser. Vor seinem Tode rief er seine Familie und seine Kinder zusammen und übergab ihnen ein Testament, in dem stand, sie sollen stets Bäume bewässern. So stand dort: „Ihr habt die Erlaubnis, euch in verschiedenen Berufen zu betätigen, nur sollt ihr stets immerzu, Bäume bewässern“. Danach verstarb der Weise und hinterließ Kinder. Er hatte einen Sohn, der nicht gehen konnte. Stehen konnte er, jedoch gehen konnte er nicht. Seine Brüder brachten ihm Verpflegung und sorgten für seinen Lebensunterhalt. Sie gaben ihm genug, sodass ihm immer noch etwas übrigblieb. Also sparte er das, bis er eine große Summe beisammenhatte.

Er überlegte sich: „Warum muss ich von meinen Brüdern Unterhaltszahlungen bekommen, wenn es doch viel gescheiter wäre, selbst Handel zu treiben“. Obwohl er nicht gehen konnte, beschloss er, einen Wagen zu mieten, einen Kutschmeister und einen Treuhänder anzustellen, die mit ihm nach Leipzig fahren würden. So würde er den Handel führen können, obwohl er nicht gehen konnte.

Als die Familie dies hörte, gefiel ihnen der Plan sehr wohl. Und auch sie sagten: „Weshalb sollen wir ihm Unterhalt zahlen? Es wäre besser, wenn er seinen eigenen Handel betriebe“. Und sie gaben ihm noch mehr Geld dazu, damit er Handel führen könne und so geschah es.

1]Sie kamen bei einer Herberge an und der Treuhänder sagte, dass sie dort nächtigen sollten, er wollte aber nicht. Sie baten ihn inständig, er jedoch hörte nicht auf sie und sie fuhren weiter. Später verirrten sie sich in einem Wald und Räuber überfielen sie. Diese Räuber waren durch eine gewisse Begebenheit zu Räubern geworden:

Einmal gab es eine Hungersnot. Einer kam in die Stadt und rief aus: „Wer Essen haben möchte, möge zu mir kommen“. Also kamen einige. Er aber ging listig vor, indem er Menschen, denen er ansah, dass sie ihm nicht von Nutzen sein konnten, abwies. Zu einem sagte er: „Du kannst ein Handwerker sein“, zu einem anderen sagte er: „Du kannst in der Mühle behilflich sein“, und suchte nur kluge, junge Burschen aus. Er ging mit ihnen in den Wald und teilte ihnen mit, dass sie nun zu Räubern geworden waren. „Von hier aus führen die Wege nach Leipzig, Breslau und anderen Orten. Viele Händler kommen hier vorbei, wir werden sie berauben und dann viel Geld haben“.

Diese Räuber überfielen sie (den Sohn, der nicht gehen konnte und seine Leute). Der Treuhänder und der Kutschmeister konnten entfliehen, er aber blieb auf dem Wagen. Die Räuber kamen zu ihm, nahmen sein Geldkästchen weg und sagten: „Was sitzt du da“? Er sagte, er könne nicht gehen. So raubten sie ihm das Kästchen und die Pferde und er blieb auf dem Wagen.

Der Treuhänder und der Kutschmeister, die weggelaufen waren, überlegten, da sie Anzahlungen von Großgrundbesitzern angenommen hatten, warum sollten sie dann nach Hause zurückkehren, um in Ketten gelegt zu werden? Es sei besser, dort zu bleiben, wo sie waren und dort Treuhänder und Kutschmeister zu werden.

Der, der nicht gehen konnte, der auf dem Wagen geblieben war, verzehrte das trockene Brot, das er von zu Hause mitgenommen hatte, solange er noch davon hatte. Als es ihm ausging und er nichts mehr zu essen hatte, ließ er sich vom Wagen hinunterfallen, um Gras zu essen und übernachtete alleine auf dem Feld. Er wurde sehr verzweifelt und seiner Kraft beraubt und konnte sich nur noch kriechend fortbewegen. Also verzehrte er Gras, solange er noch kriechend an das Gras herankommen konnte. Auf diese Weise aß er eine Zeitlang Gras.

Einmal kam er zu einer Art von Gewürzkraut, das er noch nie gegessen hatte. Dieses Gras gefiel ihm sehr, denn er kannte sich mit Gräsern gut aus, weil er so lange Zeit Gras gegessen hatte. Solch ein Gras hatte er noch nie gesehen und er wollte es mit der Wurzel ausreißen. Unter der Wurzel fand er einen Diamanten, der viereckig war. Auf einer Seite des Diamanten stand geschrieben, er habe die Segula (Fähigkeit) denjenigen, der ihn an dieser Seite hielt, dorthin zu bringen, wo Sonne und Mond zusammenträfen.

Als er das Gras mitsamt der Wurzel (wo der Diamant sich befand) herausriss, geschah es, dass er ihn an der Seite hielt (die die Fähigkeit hatte, ihn dorthin zu tragen, wo Tag und Nacht zusammentreffen) und er trug ihn dorthin, wo Tag und Nacht zusammenkommen.

Er sah sich um und sah, dass er schon angekommen war, wo Tag und Nacht, also Sonne und Mond zusammenkommen.

Er hörte, wie die Sonne mit dem Mond sprach und die Sonne beklagte sich bei dem Mond, es gäbe einen Baum, die viele Zweige, Äste, Früchte und Blätter besitze. „Jeder Zweig, jeder Ast, jede Frucht und jedes Blatt besitzen besondere Fähigkeiten (Segula). Eines ist (mesugal), dass man Kinder bekommt, ein anderes für den Lebensunterhalt. Das Eine kann eine gewisse Krankheit heilen, ein Anderes heilt eine andere Krankheit. Jede Einzelheit des Baumes ist gut für eine andere Angelegenheit. Und dieser Baum bedarf der Bewässerung. Würde man ihn bewässern, wäre er sehr wirksam. Es ist nicht nur so, dass ich ihn nicht bewässere, sondern noch dazu scheine ich auf ihn und trockne ihn aus“.

Da antwortete der Mond: „Du sorgst dich um Andere?! Ich möchte dir meine Sorgen erzählen: Ich habe nämlich tausend Berge und rund um die Berge befinden sich noch tausend Berge. Dort ist der Ort der Dämonen und die Dämonen haben Hühnerfüße. Sie haben keine Kraft in ihren Füßen, deshalb nehmen sie sich Kraft aus meinen Füßen, daher habe ich keine Kraft in meinen Füßen.

Ich habe ein Pulver und dieses Pulver ist die Heilung für meine Füße, doch der Wind kommt und trägt es weg“.

Erwiderte die Sonne: „Dies ist deine Sorge?! Ich werde dir ein Heilmittel sagen, das folgend ist: Es gibt einen Weg und von diesem Weg führen mehrere Wege. Ein Weg ist der Weg der Gerechten (Zaddikim). Sogar dem Gerechten, der sich hier befindet, streut man auf diesem Weg das Pulver bei jedem Schritt unter seine Füße. Bei jedem Schritt, den er geht, tritt er auf dieses Pulver.

Es gibt auch einen Weg von Häretikern, der sich dort befindet. Man streut ihm bei jedem Schritt ein Pulver, sogar dem Häretiker, der sich her befindet, streut man dieses Pulver auf seinen Weg.

Und es gibt einen Weg der Verrückten (Meschuggene), sogar einem Verrückten, der sich hier befindet, streut man ein Pulver auf seinen Weg usw.

Auf diese Weise gibt es mehrere Wege. Ferner gibt es einen Weg von Zaddikim, die Qualen auf sich nehmen und Großgrundbesitzer führen sie in Ketten. Und sie haben keine Kraft in den Füssen, also streut man ihnen Pulver unter die Füße, dann bekommen sie Kraft in den Füssen.

Geh also dorthin, denn es gibt viel von dem Pulver und du wirst Heilung für deine Füße finden“. (Das alles erzählte die Sonne dem Mond). Und er hörte alles (d.h. der, der nicht gehen konnte und keine Kraft in den Füssen hatte, hörte alles).

Inzwischen blickte er auf eine andere Seite des Diamanten und sah, dass dort geschrieben stand, dass er ihn zu dem Weg bringen würde, von dem mehrere Wege abzweigten. (Genau der oben erwähnte Weg, von welchem die Sonne dem Mond erzählt hatte).

Also hielt er den Diamanten auf jener Seite und der trug ihn dorthin. Er legte seine Füße auf den Weg, dessen Pulver Heilung für die Füße versprach und er wurde sofort geheilt.

Dann ging er und nahm Pulver von allen Wegen und band jedes Pulver in einen besonderen Beutel. Das Pulver von dem Weg der Gerechten packte er getrennt ein und so tat er es mit jedem Pulver separat, jedes für sich und nahm alle mit.

Er besann sich und kam zu dem Weg, wo man ihn beraubt hatte. Als er dort ankam, suchte er sich einen hohen Baum, nahe von dem Weg, von dem die Banditen sich auf Raubzug begaben. Er nahm vom Pulver der Gerechten und dem Pulver der Verrückten, mischte sie miteinander und streute dies auf den Weg. Danach kletterte er auf den Baum, setzte sich dorthin, um zu beobachten, was sich ereignen würde.

Er sah die Räuber aufbrechen, der früher genannte, älteste Räuber schickte sie los, um zu rauben. Als die Räuber auf den Weg traten und auf das Pulver, wurden sie sofort zu Gerechten. Und sie begannen zu schreien, über Jahre und Tage, dass sie bisher viele Seelen beraubt und getötet hatten. Aber da das Pulver mit jenem für Verrückte vermischt war, wurden sie verrückt und begannen, miteinander zu streiten. Der Eine sagte: „Wegen dir haben wir getötet“, der Andere: „Wegen dir“! So stritten sie, bis sie einander gegenseitig umbrachten.

Und der älteste Bandit schickte wieder neue Räuber und es geschah das Gleiche, wie schon vorher, sie brachten Einer den Anderen um. So geschah es mehrere Male, bis alle Räuber getötet waren. Bis er verstand (jener, der früher keine Kraft in den Füssen gehabt hatte und auf den Baum geklettert war), dass keiner von den Räubern mehr übriggeblieben war (bis auf den einen, den ältesten Räuber, der sie verführt hatte usw.) und noch Einen. Er kletterte von dem Baum hinunter, kehrte das Pulver von dem Weg ab. Nun streute er nur das Pulver der Gerechten, danach setzte er sich wieder auf den Baum.

Und der älteste Räuber (der seine Leute geschickt hatte und sie waren nicht zurückgekehrt) wunderte sich sehr, dass er die Leute losschickte und sie kehrten nicht wieder. Er beriet sich und ging mit dem Einen, der noch bei ihm übrig war und gleich, als sie diesen Weg betraten, (auf dem das Pulver der Gerechten ausgestreut war), wurde er zu einem Gerechten und er begann über all seine Jahre und Tage zu schreien, dass er so viele Seelen getötet habe und so Viele beraubt hatte. Und er hatte große Reue.

Als er sah (der, der auf dem Baum saß), dass er sehr große Reue habe und es büße, stieg er herab von dem Baum. Als der Räuber den Menschen sah, fing er an zu schreien: „Weh mir, dies und dies habe ich getan. Ach! Erteile mir Buße“.

Antwortete der ihm: „Gib mir das Kästchen zurück, das ihr mir geraubt habt“, denn bei den Räubern war genau aufgezeichnet, wann und von wem es geraubt worden war.

Sagte der Räuber zu ihm: „Ich werde es dir sofort zurückgeben und sogar alle geraubten Schätze werde ich dir schenken, nur bitte erteile mir Buße“!

Er sagte zu dem Räuber: „Deine Buße ist nur, zurückzugehen in die Stadt, zu schreien und zu beichten: ‚Ich bin derjenige, der damals ausgerufen hat usw. und dadurch etliche zu Räubern gemacht hat und ich habe etliche Seelen getötet und beraubt‘ – dies ist deine Buße“.

Der Räuber gab ihm alle Schätze und ging mit ihm in die Stadt hinein und tat, wie er ihm befohlen hatte.

In der Stadt urteilte man, dass er, aufgrund seiner vielen Verbrechen gehenkt werden sollte, damit man Bescheid wisse und andere davon lernen konnten.

Danach überlegte er (der früher keine Kraft in den Füssen gehabt hatte) zu den oben genannten zweitausend Bergen zu gehen, um zu sehen, was dort vor sich ging. Als er dort ankam, verweilte er in einem gewissen Abstand der Berge und sah, dass es dort Tausende Myriaden von Dämonenfamilien gab, denn sie vermehren sich und haben Kinder, wie Menschen. Und er sah deren König auf einem Thron sitzen – auf einem Thron, wie kein vom Weibe Geborener saß (d.h. kein Mensch). Und sie spotteten: Einer erzählte, wie er einem Kind geschadet habe, ein anderer, wie er die Hand eines anderen geschädigt habe. Noch einer erzählte, wie er dem Fuß eines Menschen geschadet habe und noch derlei andere Gemeinheiten.

Inzwischen sah er, wie ein Vater und eine Mutter kamen und weinten. „Was weint ihr“? fragte man sie. Sie antworteten, sie hätten einen Sohn, der pflegte unterwegs zu sein und immer nach einer gewissen Zeit zurückzukommen. Nun sei er schon lange Zeit nicht dagewesen und sei noch immer nicht wiedergekehrt. (Das waren alle Dämonen, Vater, Mutter und Sohn). Man brachte sie zum König und der befahl, man solle Boten in die ganze Welt schicken, um ihn ausfindig zu machen.

Als der Vater und die Mutter zurückkamen vom König, begegneten sie einem, der mit ihrem Sohn zusammen gegangen war. Er fragte sie: „Was weint ihr“? Und sie erzählten ihm die ganze Geschichte. Er antwortete: „Ich werde euch etwas erzählen: Wir hatten nämlich eine Insel im Meer, auf der sich unser Ort befand. Der König, dem diese Insel gehörte, wollte dort Paläste bauen und legte dort bereits Fundamente. Euer Sohn sagte zu mir, dass wir ihm schaden sollen, also gingen wir und nahmen dem König seine Kraft weg. Er kannte viele Doktoren, doch die konnten ihm nicht helfen. Da fing er an, sich mit Hexen zu beraten. Dort gab es einen Zauberer, der seine Familie kannte – meine Familie kannte er nicht, deshalb konnte er mir nichts antun. Seine Familie jedoch kannte er, fing ihn ein und folterte ihn sehr“.

Also brachte man ihn zum König (d.h. man brachte den Dämonen, der das alles erzählt hatte, zu ihrem König). Er erzählte dem König ebenso alles. Der König sagte: „Lasset dem einen König die Kraft zurückgeben“!

Er widerte er: „Es gab bei uns jemanden, der keine Kraft hatte, also gaben wir ihm diese Kraft“.

Sagte der König: „Nehmt ihm die Kraft weg und gebt sie diesem König zurück“. Antwortete man dem König: „Er wurde zu einer Wolke (d.h. der Dämon, dem sie die Kraft eines Königs gegeben hatten, war zu einer Wolke geworden).

Da sagte der König, man solle die Wolke herbeirufen. Also schickte man einen Boten, um die Wolke zu holen.

Sagte er sich (der, der anfangs keine Kraft in den Füssen gehabt hatte und das alles gesehen hatte): „Ich werde nachgehen und sehen, wie aus ihnen Wolken werden“. Also ging er dem Boten nach und kam zu der Stadt, wo die Wolke sich befand. Er fragte die Städter: „Warum gibt es hier eine Wolke in der Stadt“?

Sie antworteten ihm: „Ganz im Gegenteil, in dieser Stadt gab es noch nie eine Wolke, nur seit einiger Zeit bedeckt diese Wolke die Stadt“.

Der Bote kam und rief die Wolke, dann ging er weg. Er überlegte sich (der, der anfangs keine Kraft in den Füssen hatte), ihnen nachzugehen um zu hören, was sie redeten. Und er hörte, wie der Bote ihn fragte: „Wie kommst du dazu, hier eine Wolke zu sein“?

Erwiderte er: „Ich werde dir eine Geschichte erzählen: „Es war einmal ein Weiser und der Kaiser des Landes war ein großer Häretiker und machte das ganze Land zu Häretikern.

Also ging der Weise, berief seine ganze Familie und sagte zu ihnen: „Ihr seht doch, dass der Kaiser ein großer Häretiker ist und das ganze Land zu Häretikern gemacht hat, sogar einige von unserer Familie hat er zu Häretikern gemacht.

Deswegen lasset uns fortgehen und in die Wüste ziehen, damit wir bei unserem Glauben an G-tt, gelobt sei Er, bleiben können“.

Sie waren mit ihm einverstanden und der Weise sagte einen Namen (d.h. er sprach einen von den heiligen Namen aus), der sie zu einer Wüste brachte. Die Wüste gefiel ihm nicht und er sagte wieder einen Namen, welcher sie in eine andere Wüste brachte. Auch diese Wüste gefiel ihm nicht, also sprach er noch einen Namen und sie wurden zu noch einer Wüste gebracht. Diese gefiel ihm sehr wohl und sie befand sich in der Nähe der oben genannten zweitausend Berge.

Also ging der Weise und machte einen Kreis um sie herum, damit keiner sich ihnen nähern könne.

„Und es gibt einen Baum, wenn man ihn bewässern würde, so bliebe von uns (d.h. von den Dämonen) gar nichts übrig. Deswegen stehen immerzu einige von uns, Tag und Nacht und graben, um das Wasser nicht an den Baum heranzulassen.

Fragte ihn der andere: „Weshalb muss man Tag und Nacht stehen und graben? Denn einmal zu graben, um das Wasser nicht heranzulassen, wäre doch genug“?

Er antwortete: „Es gibt nämlich unter uns Redner und diese Redner gehen und stiften Streit zwischen einem König und einem anderen König und dadurch entstehen Kriege. Durch die Kriege entstehen Erdbeben und die Erde um den Graben fällt ein. Dadurch könnte Wasser zu dem Baum gelangen. Deswegen muss man immer stehen und graben. Und wenn unter uns ein König ernannt wird, führt man ihm alle Gemeinheiten vor und er erfreut sich daran. Dieser spöttelt, wie er ein Kind schädigt und wie die Wöchnerin das betrauert und jener zeigt einen anderen Unfug, auf diese Art allerlei Niederträchtigkeiten.

Wenn der König dann fröhlich wird, geht er mit den königlichen Fürsten spazieren und versucht, den Baum auszureißen. Denn wenn dieser Baum gar nicht existieren würde, ginge es uns sehr gut. Und der König stärkt sein Herz sehr, um den Baum gänzlich auszureißen. Als er sich dem Baum nähert, stößt der Baum ein großes Geschrei aus. Dann überfällt ihn die Furcht und er muss umkehren“.

„Einmal gab es bei uns einen neuen König (d.h. bei den Dämonen, denn das alles erzählt die Wolke dem Boten) und man führte ihm viel Gespött vor. Er geriet in große Freude und stärkte sein Herz enorm, um den Baum ganz und gar auszureißen. Er ging mit seinen Fürsten spazieren, versammelte viel Kraft in seinem Herzen und ging, um den Baum auszureißen. Als er sich dem Baum näherte, wallte riesengroßes Geschrei über ihn und er wurde von Angst erfüllt. Er kehrte um, zürnte sehr und ging zurück.

Inzwischen sah er Menschen sitzen (den obengenannten Weisen und seine Familie). Der König schickte seine Leute, um ihnen etwas anzutun (d.h. ihnen zu schaden, wie es ihre Art war). Als die Angehörigen des Weisen sie sahen, fiel große Furcht über sie. Doch der Alte (der Weise) sagte zu ihnen: ‚Schreckt euch nicht‘.

Als die Dämonen dorthin kamen, konnten sie sich wegen des Kreises, der rund um sie war, nicht nähern. Also schickte man andere Gesandte, doch auch sie konnten sich nicht nähern. Der König geriet in großen Zorn und ging selbst hin, doch auch er konnte sich nicht nähern. Da bat er den Alten, ihn zu sich hineinzulassen“.

Der Alte sagte zu ihm: „Weil du mich darum bittest, werde ich dich hereinlassen. Da es jedoch nicht ziemlich ist, dass ein König alleine gehe, werde ich dich mit noch jemandem hereinlassen“.

Er öffnete ein Türchen, sie gingen hinein und er verschloss sogleich wieder den Kreis.

Sagte der König zu dem Alten: „Wie kommst du dazu, auf meinem Platz zu sitzen“?

Antwortete der: „Weshalb ist es dein Platz? Mein Platz ist es“!

Der König fragte den Alten: „Fürchtest du dich nicht vor mir“?

Antwortete er: „Nein“!

Sagte er wieder: „Du hast keine Angst“? – und er streckte sich und wurde sehr groß – bis zum Himmel und wollte ihn verschlingen.

Sagte der Alte: „Trotzdem habe ich keine Angst vor dir. Allerdings, wenn ich das möchte, wirst du vor mir Angst haben“. Er ging und betete ein Wenig, es entstanden große Wolken und es donnerte sehr stark. Der Donner tötete sie alle, alle königlichen Fürsten, die mit ihm waren, wurden getötet und es blieb nur der König und der Eine, der mit ihm in den Kreis hineingegangen war. Er bat ihn (der König bat den Alten), der Donner möge aufhören und er hörte auf.

Da sagte der König zu dem Alten: „Da du solch ein Mensch bist, werde ich dir ein Buch von allen Dämonenfamilien schenken. Denn es gibt Namensmeister, (Ba’alei Sheimot) die nur über eine Familie Bescheid wissen, sogar diese Familie kennen sie nicht vollständig.

Ich werde dir ein Buch geben, in dem alle Familien stehen, denn beim König sind alle aufgeschrieben, sogar wer geboren wird. Also schickte der König den Einen, der mit ihm war, das Buch zu holen. (Es stellte sich heraus, dass es sehr klug gewesen war, einen mit dem König hereinzulassen, wen hätte er sonst geschickt?)

Er brachte das Buch und darin standen abertausende Myriaden von deren Familien. Der König sicherte dem Alten zu, dass sie niemals jemanden der Familie des Alten schädigen würden. Und er hieß sofort, Bilder aller seiner Anverwandten zu bringen. Sogar wenn bei ihnen ein Kind geboren wurde, sollte man sofort dessen Bild bringen, damit keiner der Familie des Alten geschädigt werde.

Hernach, als die Zeit des Alten gekommen war, von der Welt zu gehen, rief er seine Kinder und sagte folgendes zu ihnen: „Ich überlasse euch dieses Buch. Ihr seht, dass ich die Macht habe, dieses Buch mit Heiligkeit zu benutzen. Nichtsdestotrotz mache ich keinen Gebrauch davon, sondern habe Glaube an den Gelobten. Also machet auch ihr keinen Gebrauch davon, auch wenn sich einer bei euch befindet, der es mit Heiligkeit verwenden könnte. Trotzdem sollt ihr keinen Gebrauch davon machen, nur Glauben an den Gelobten haben“.

Danach starb der Weise, das Buch wurde vererbt und gelangte an seinen Enkel. Der hatte die Macht, das Buch mit Heiligkeit zu gebrauchen, doch er hatte Glauben an den Gelobten und verwendete es nicht, so wie sein Großvater es in seinem Testament befohlen hatte.

Doch die Redner unter den Dämonen bedrängten den Enkel: „Da du doch erwachsene Töchter hast und sie weder ernähren, noch sie verheiraten kannst, mache doch Gebrauch von dem Buch.

Er wusste nicht, dass sie es ihm einredeten, er glaubte, es wäre sein Herz, das ihm das befahl. Also fuhr er zu dem Grab seines Großvaters und fragte ihn: „Du hast doch ein Testament hinterlassen, das Buch nicht zu benützen, wir sollten nur Glauben an den Gelobten haben“.

Antwortete ihm der Großvater (der verstorben war): „Obwohl du dazu befähigt bist, es mit Heiligkeit zu nutzen, ist es besser, dass du einfach Glaube an den Gelobten haben sollst, es nicht benützen sollst und Er wird dir helfen“. Also tat er es so.

Es kam der Tag, an dem der König des Landes, in welchem der Enkel sich aufhielt, sehr krank wurde. Er konsultierte viele Doktoren, doch sie konnten ihm keine Heilung bringen. Wegen der großen Hitze in jenem Lande wirkten die Medikamente nicht.

Also ordnete der König an, die Juden mögen für ihn beten. Sagte unser König (d.h. der König der Dämonen): „Da der Enkel die Macht hat, das Buch mit Heiligkeit zu benützen, doch er nützt es nicht, werden wir ihm einen Gefallen tun“. Und er befahl mir, dort eine Wolke zu werden, damit der König des Landes geheilt werde durch die Heilmittel, die er bereits eingenommen hat und die, die er noch nehmen wird“. Und der Enkel wusste nichts davon. (Das alles erzählte die Wolke dem Boten).

Und der, der anfangs keine Kraft in den Füssen gehabt hatte, ging ihnen nach und hörte alles. Und man brachte ihn zum König (d.h. den, der zu einer Wolke geworden war, brachte man zum König). Der König befahl, man solle ihm die Kraft wegnehmen und jenem König zurückgeben (welchem sie die Kraft weggenommen hatten, weil er auf ihrem Gebiet gebaut hatte usw.). Also gab man ihm die Kraft zurück, worauf der Sohn der Dämonen zurückkam (über den der Vater und die Mutter geweint hatten) und er kam sehr abgezehrt und erschöpft an, weil man ihn dort sehr gepeinigt hatte. Er wurde sehr erbost über den Zauberer, der ihm solche Qualen bereitet hatte, also gebot er seinen Kindern, diesem Zauberer immer und überall aufzulauern.

Aber unter den Dämonen gab es die Redner und die gingen und verrieten dem Zauberer, dass sie ihm auflauerten, er möge sich hüten. Der Hexer ging listig vor, rief noch weitere Zauberer, die noch mehr Familien kannten, um sich vor denen zu hüten.

Der Sohn und seine Familie wurden sehr verdrossen über die Redner, dass sie dem Zauberer das Geheimnis verraten hatten.

Einmal trug es sich zu, dass Angehörige der Familie des Sohnes und solche der Redner, zusammen beim König Wachdienst hatten. Die Angehörigen des Sohnes stifteten eine Verleumdung über die Redner an und der König tötete daraufhin alle Redner.

Das verdross die übrigen Redner sehr, also verursachten sie eine Revolution zwischen allen Königen und es ward bei den Dämonen Hungersnot, Schwäche, Schwert und Seuchen. Es entstanden Kriege zwischen allen Königen, dies führte zu Erdbeben, die ganze Erde fiel ein und der Baum wurde gänzlich bewässert. Von den Dämonen blieb gar nichts übrig und sie wurden zunichte gemacht. Amen.

Das Geheimnis dieser Geschichte wird im ersten Kapitel der Psalmen angedeutet. „Heil dem Manne…usw., Weg der Frevler, Weg der Gerechten, usw., dies entspricht den Wegen, auf die man das Pulver streute usw. „Und er wird einem Baum gleichen, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht gibt zur rechten Zeit und seine Blätter…, und Alles, was er tut, gedeihet“. Also der Baum, dessen Früchte und Blätter alle miteinander sehr wirksam sind usw. Sehe nach und du wirst noch mehr Andeutungen finden. „Heil dem Manne, der nicht gehet“, denn anfangs konnte er nicht gehen; „nicht stehet“, denn später konnte er auch nicht stehen; Und im Kreis der Spötter, die Spötteleien treiben usw.; Gleich der Spreu, die der Wind wegträgt.

Und all diese sind nur beiläufige Andeutungen, weil er (Rabbi Nachman) unsere Augen ein wenig erleuchtet, damit wir ein bisschen verstehen, wie weit diese Begebenheiten reichen. Die Begebnisse sind jedoch immer noch voll verschlossen, denn alle diese Geschichten, die er erzählte, übersteigen weit, weit jegliche menschliche Erkenntnis und sind vor den Augen aller Lebewesen verborgen.

4. Geschichte
