# EIN KLUGER MANN UND EIN EINFACHER MANN

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Eine Geschichte. In einer Stadt gab es einmal zwei Hausbesitzer, die großen Reichtum und große Häuser ihr Eigen nannten. Die zwei Hausbesitzer hatten zwei Söhne; jeder hatte einen Sohn und die zwei Kinder lernten zusammen im gleichen Schulhaus. Und einer von ihnen war ein Chacham <<klug, schlau, anspruchsvoll und weise>>, der andere war ein Tam <<simpel, unschuldig, phantasielos, herzlich, ehrlich und ungeheuchelt>> (nicht, dass er ein Dummkopf war, eher war sein Intellekt einfach und ohne Raffinesse). Diese beiden Söhne liebten einander sehr, obwohl einer ein Chacham war, der andere ein Tam und sein Geist einfach; trotzdem liebten sie einander sehr.

Dann kam eine Zeit, in der der Reichtum der beiden Hauseigentümer sich verringerte und er fiel immer mehr und mehr, bis sie alles verloren und mittellos wurden. Nichts blieb ihnen mehr, als ihre Häuser.

Die Söhne begannen aufzuwachsen und die Hausbesitzer sagten zu ihren Söhnen: „Wir haben keine <<Geldmittel>> um euch zu bezahlen; wir können euch nicht ernähren. Macht für euch selbst, was ihr könnt“.

Der Tam ging und lernte Schuhmacherei. Der Chacham, der anspruchsvoller war (in anderen Worten ein kluger und verständiger Mensch), wollte keinen so einfachen Beruf erlernen, daher entschloss er sich, die Welt zu bereisen und sich umzusehen, was er machen konnte. So spazierte er auf dem Marktplatz und sah einen großen Wagen fahren, mit vier angeschirrten Pferden.

Er rief den Kaufleuten zu: „Woher kommt ihr“? Sie antworteten ihm „aus Warschau“.

„Wohin seid ihr des Weges“? Sie antworteten „nach Warschau“.

Er fragte sie: „Vielleicht braucht ihr einen kleinen Diener“?

Die Kaufleute sahen, dass er ein kluger Junge war, aktiv und tüchtig und er gefiel ihnen, so nahmen sie ihn mit. Er reiste mit ihnen und bediente sie auf dem Weg sehr gut.

Da er schlau war, beschloss er, als sie in Warschau ankamen: „Weshalb sollte ich bei diesen Kaufleuten bleiben? Vielleicht gibt es hier einen besseren Platz, als bei ihnen. Ich werde mich auf die Suche machen“.

Er ging um den Marktplatz herum und begann, sich zu erkundigen und zu fragen über die Männer, die ihn gebracht hatten und ob es wohl hier einen besseren Platz gäbe als mit ihnen. Man antwortete ihm, die Männer, die ihn gebracht hatten, seien ehrliche Menschen und es sei gut mit ihnen zu sein. Es sei jedoch schwierig, mit ihnen zu bleiben, da ihre Geschäfte sie an weit entfernte Orte führten.

Inzwischen ging er weiter und bemerkte die Geschäftsdiener, wie sie auf dem Marktplatz herumgingen, mit all ihrem Charme, mit ihren Kappen und spitzen Schuhen und allen anderen Reizen, die zu ihrem Gehabe und ihrer Kleidung gehörten. Er war ein intelligenter und schlauer junger Mann und das gefiel ihm sehr, das war eine anziehende Sache und sie war dort, wo er sich befand.

Er ging zu den Männern, die ihn mitgenommen hatten, dankte ihnen und erklärte ihnen, es sei nicht gut für ihn, bei ihnen zu bleiben und für das Mitnehmen hatte er sie unterwegs bedient.

Also ging er und bot sich einem Gutsbesitzer an. Und das Verfahren als Diener ist, dass man zuerst ein gewöhnlicher Diener sein muss, schwere Arbeit verrichten soll und kleine Löhne bekommt. Erst danach bekommt man den Rang eines höheren Dieners. Der Gutsbesitzer ließ ihn hart arbeiten und pflegte ihn mit Waren zu Adligen zu schicken, wie man es mit Dienern tat. Sie mussten Stoffe auf ihren Unterarmen tragen, diese Arbeit fiel ihm schwer. Manchmal musste er Waren zu hohen Stockwerken tragen und diese Arbeit fiel ihm sehr schwer.

Da er ein Philosoph war und eine aufmerksame Person, beschloss er: „Wozu brauche ich diese Arbeit? Der Hauptgrund <<für die Arbeit>> ist nur für das endgültige Ziel: Dass ich heiraten und mich ernähren kann. Darum muss ich mich noch nicht kümmern, dafür wird später noch die Zeit kommen. Ich würde lieber die Welt bereisen und viele Länder sehen“.

Er ging den Marktplatz entlang und sah Kaufleute mit einem großen Wagen fahren und fragte sie: „Wohin seid ihr des Weges“?

Sie antworteten: „Nach Lagorna“ (Livorno in der Toskana)

Er fragte sie: „Würdet ihr mich dorthin mitnehmen“?

Sie antworteten: „Ja“.

Sie nahmen ihn mit nach Italien, von dort aus reiste er nach Spanien. Mittlerweile vergingen viele Jahre und er wurde noch erfahrener, da er in vielen Ländern gewesen war.

Er beschloss, dass er nun das Ziel verfolgen müsse und begann mit seiner Philosophie (d.h. mit seinen Kenntnissen) zu überlegen, was er tun solle. Er dachte, er solle die Goldschmiedekunst erlernen, das sei eine gute Beschäftigung und ein guter Beruf. Es war auch eine ertragreiche Beschäftigung. Und da er ein scharfsinniger Mann war und ein Philosoph, brauchte er das Fach nicht lange zu studieren. In nur einem Vierteljahr erlernte er die Kunst und wurde ein überaus großer Fachmann, der das Fach besser beherrschte als jener, der ihn gelehrt hatte.

Danach kam er zu der Schlussfolgerung: „Obwohl ich solch einen Beruf habe, werde ich mich nicht damit begnügen, obwohl dies wichtig ist. Vielleicht wird einmal etwas Anderes als wichtig betrachtet werden“. Er ging und begab sich in die Lehre bei einem Edelsteinschneider. Und da er so klug war, erlernte er auch diesen Beruf in kürzester Zeit – in einem Vierteljahr.

Dann dachte er mit seiner Philosophie nach: „Obwohl ich zwei Berufe in der Hand habe, vielleicht werden sie beide nicht wichtig sein. Daher ist es richtig, einen Beruf zu erlernen, der immer wichtig sein wird“.

Er überlegte mit seinem Verständnis und seiner Philosophie, dass er die Medizin erlernen sollte, denn das sei etwas, das immer gebraucht werde und wichtig sei. Und routinemäßig, wenn jemand die Medizin studiert, muss er zuerst Latein lernen. Die Sprache und ihre Schriften, wie auch die Philosophie. Und durch seine Einsicht (d.h. Verständnis) meisterte auch dies in kurzer Zeit, in einem Vierteljahr. Und er wurde ein großer Arzt, ein Philosoph und Experte in allen Gebieten der Wissenschaft.

Dann begann die Welt ihm als Null zu erscheinen (mit anderen Worten, die ganze Welt erschien ihm als Garnichts), das heißt, er dachte, nichts und niemand sei überhaupt sinnvoll. Denn da er so weise war, solch ein geschickter Handwerker, so eine kluge Person und so ein großer Arzt, erschien ihm jeder Mensch als nichtswürdig (ohne Wert).

Also entschloss er sich jetzt, sich dem Hauptzweck zuzuwenden und eine Frau zu nehmen. Er dachte bei sich und überlegte: „Wenn ich hier eine Hochzeit hielte, wer würde wissen, was aus mir geworden ist? Ich sollte lieber nach Hause fahren, damit die Leute sehen, was aus mir geworden ist. Ich ging weg als junger Bursche und nun habe ich solche Größe erreicht.

Er erhob sich und fuhr heim und litt sehr unterwegs. Denn weil er so kultiviert war, hatte er niemanden zum Unterhalten und keine Unterkunft war zu seiner Zufriedenheit. So war er immer voll des Leidens.

In der Zwischenzeit, lasset uns die Geschichte des Klugen beiseitelegen. Wir wollen uns der Geschichte des Einfachen zuwenden.

Der Einfache erlernte die Schuhmacherei, er war jedoch eine einfache Person und musste das Fach lange lernen, bis er es verstand und er konnte es nicht vollkommen. Und er nahm eine Frau und ernährte sich von seiner Arbeit. Da er aber eine so einfache Person war, konnte er das Fach nicht so, wie es sein sollte, daher war sein Lebensunterhalt schäbig und sehr mager und er hatte nicht einmal Zeit zu essen, da er immer arbeiten musste, weil er so schlecht war in seinem Beruf.

Nur wenn er arbeitete, wenn er einen Nagel eingeschlagen hatte, oder den Schusterfaden durchgezogen hatte, nahm er einen Bissen Brot und aß.

Und seine Art war, dass er immer glücklich war und ständig war er voller Freude. Er hatte all sein Essen, seine Getränke und alle Kleidung.

Er pflegte zu seiner Frau zu sagen: „Meine Frau, gib mir zu essen“, sie gab ihm ein Stück Brot und er aß.

Dann sagte er: „Gib mir Suppe mit Kasche (Buchweizen). Sie schnitt noch eine Scheibe Brot für ihn ab und er aß.

Und er lobte sie sehr und sagte: „Wie gut und delikat ist diese Suppe“!

Genauso verlangte er Fleisch zu essen und wieder gab sie ihm Brot und er aß es und lobte es auch sehr und sagte: „Wie gut ist doch dieses Fleisch“!

So auch andere wohlschmeckende Speisen verlangte er und für jede Art von Speise, die er verlangte, gab sie ihm immer ein Stück Brot. Und er hatte große Freude daran und lobte das Gericht sehr, „Wie gut es doch ist“, als ob er es wirklich gegessen hatte (das Gericht, das er verlangt hatte). Denn er konnte wirklich in dem Brot, das er gegessen hatte, des Geschmack aller Speisen fühlen, die er gewollt hatte.

Aufgrund seiner großen Unschuld und Einfachheit <<Temimus>> – das ist die Eigenschaft des <<Tam>> und seiner Freude, spürte er in dem Brot genau den Geschmack, als ob er jene Speisen gegessen hätte.

Und gleichfalls pflegte er zu sagen: „Meine Frau, gib mir etwas Bier“. Sie gab ihm Wasser und er pflegte zu loben: „Welch wunderbares Bier das ist“!

Dann pflegte er sie herbeizurufen: „Gib mir Honigwein“. Sie gab ihm Wasser und er pries es in der gleichen Art: „Welch guter Wein ist das“!

„Gib mir Wein“ oder andere Getränke, sie gab ihm immer Wasser und er war immer entzückt und lobte das Getränk, als ob er es getrunken hätte.

So war es auch mit der Bekleidung. Er und seine Frau hatten zusammen einen Pelz <<Fellmantel, unbearbeitetes Schaffell>>. Wenn er einen Pelz brauchte, um zum Markt zu gehen, pflegte er zu sagen: „Meine Frau, gib mir den Pelz und sie gab es ihm.

Wenn er einen Tulip brauchte <<ein eleganter Übermantel, mit feinem Pelz gefüttert, der auch den Kragen bedeckt>>. Um zwischen Menschen zu gehen, sagte er zu ihr: „Meine Frau, gib mir den Tulip“ und sie gab ihm den Pelz.

Er pflegte große Freude daran haben und zu preisen: „Welch ein angenehmer Tulip das ist“.

Wenn er einen Kaftan brauchte <<Seidengewand>>, um in die Synagoge zu gehen, pflegte er sie herbeizurufen und zu sagen: „Meine Frau, gib mir den Kaftan und sie gab ihm den Pelz.

Und er pflegte zu preisen: „Was für ein feiner und schöner Kaftan das ist“!

So war es auch, wenn er eine Yupa anziehen sollte <<ein langes, ungefüttertes Seidengewand, das man bei formellen Ereignissen anzog>>, gab sie ihm den Pelz. Und er pflegte ebenfalls zu lobpreisen und sich freuen: „Welch eine feine und schöne Yupa das ist“

So war es mit allem und er war immer voller Wonne, Glückseligkeit und Frohlocken.

Wenn er einen Schuh fertigstellte – möglicherweise hatte der Schuh drei Ecken, weil er nicht geschickt war in seinem Handwerk – pflegte er den Schuh in die Hand zu nehmen, ihn anzupreisen und hatte große Freude daran.

Und er pflegte zu sagen: „Meine Frau, was für eine Schönheit und welche Grazie hat dieser kleine Schuh! Welche Süße hat dieser Schuh! Was für ein Honig, welch zuckriger Schuh das doch ist“!

Sie fragte ihn: „Wenn dem so ist, warum nehmen dann andere Schuhmacher drei Gulden für ein Paar Schuhe, du aber nimmst nur einen halben Thaler (das ist eineinhalb Gulden)“?

Er antwortete: „Was hat das mit mir zu tun? Das ist die Angelegenheit der anderen Person und dies ist meine Angelegenheit. Und übrigens, warum sollte ich über andere Personen sprechen? Lass uns gleich kalkulieren, wieviel Profit ich von diesem kleinen Schuh von Hand zu Hand (gleich/einfach) machen kann. Das Leder kostet mich so und so viel, Teer und das Garn kosten mich so viel, das Material für die Innensohle so viel und andere Sachen kosten so viel. Also profitiere ich zehn Groschen, wenn er verkauft ist. Warum sollte es mich dann stören, einen derartigen Profit gleich in der Hand zu haben“?

Auf diese Weise war er immer nur glücklich und fröhlich zu jeder Zeit.

Für die Welt war er jedoch ein Gespött, sie bekamen, was sie wollten, denn hier hatten sie jemanden, den sie verspotten konnten, wie sie wollten, denn ihnen erschien er wie ein Verrückter. Menschen pflegten zu kommen und ein Gespräch mit ihm zu beginnen, um sich über etwas lustig zu machen.

Und der Einfache sagte zu ihnen: „Nur ohne Hohn“. Sobald sie zu ihm sagten „ohne Hohn“, hörte er ihnen zu und begann mit ihnen zu sprechen. Denn zusätzlich wollte er das Gesagte nicht mit Weisheit überdenken <<tief denken und analysieren>>, dass vielleicht dies selbst <<ihre Antwort>> eine Verhöhnung war, denn er war ein Einfacher (Tam).

Wenn er letztlich merkte, dass ihre Absicht Spott war, pflegte er zu sagen: „Was stört mich, dass ihr klüger seid als ich? Ihr werdet trotzdem die Narren sein, denn was bin ich denn? Es läuft daraus hinaus, dass ihr, wenn ihr klüger seid als ich, doch die Narren seid“!

(Dies waren die Wege des Einfachen. Wir wenden uns jetzt wieder dem Klugen zu)

In der Zwischenzeit entstand ein Tumult, denn der Kluge reiste und kam an mit großem Pomp und großer Weisheit.

Der Einfache kam auch gerannt, um ihn mit großer Freude zu begrüßen und sagte zu seiner Frau: „Schnell, gib mir meine Yupa! Lass mich zu meinem Freund laufen, um ihn zu begrüßen, ich will ihn sehen“!

Sie gab ihm den Pelz und er rannte hinaus zu ihm.

Der Kluge reiste bombastisch in einer Kutsche, der Einfache kam heraus, um ihn zu begrüßen und hieß ihn mit Freude und großer Liebe willkommen und sprach zu ihm: „Mein teurer Bruder, wie geht es dir? Gepriesen sei G-tt, dass er dich hergebracht hat und mir das Privileg gegeben hat, dich zu sehen“.

Der Kluge sah ihn an. Ihm bedeutete die ganze Welt nichts (wie oben erwähnt, galt die ganze Welt nichts in seinen Augen, denn er hielt sich für klüger als die ganze Welt) – umso mehr solch eine Person, die aussah, wie ein Irrer. Doch nichtsdestotrotz, wegen ihrer Kindheitsliebe, als sie sich sehr liebgehabt hatten, zog er ihn an sich und reiste mit ihm in die Stadt hinein.

Die beiden Hausbesitzer, die Väter dieser beiden Söhne (des Klugen und des Einfachen) waren während der Zeit, als der Kluge im Ausland war, gestorben und hatten ihre Häuser hinterlassen. Der Einfache war dort, also zog er in das Haus seines Vaters und erbte es. Der Kluge jedoch war im Ausland und hatte niemanden, der das Haus hätte in Besitz nehmen können. Des klugen Sohnes Haus ging verloren und nichts war davon übriggeblieben, deshalb hatte der Kluge kein Haus, in welches er einziehen konnte, als er ankam. Er fuhr zu einem Gasthaus und er litt dort, denn es war nicht die Art von Gasthaus, die er erwartet hatte.

Der Einfache hatte nun eine neue Beschäftigung gefunden und lief immer mit Liebe und Freude zu dem Klugen. Er merkte, dass der Kluge litt wegen des Gasthauses.

So sagte der Einfache zu dem Klugen: „Bruder, komm doch in mein Haus und bleibe bei mir. Ich werde alle meine Besitztümer auf einen Haufen zusammenlegen und du wirst mein ganzes Haus haben.

Dies gefiel dem Klugen, so zog er in sein Haus und blieb bei ihm.

Und der Kluge war immer voller Pein, denn er hatte den Ruf, ein großer und weiser Mann zu sein, ein großer Kunsthandwerker und ein großer Arzt.

Ein Adliger kam und trug ihm auf, einen goldenen Ring herzustellen. Er machte einen herrlichen Ring und gravierte darauf einen Baum, der ein wahres Wunder war. Der Adlige kam und der Ring gefiel ihm überhaupt nicht. Er litt sehr darunter, denn hätte er den Ring in Spanien angeboten, wäre er dort sehr geschätzt und bewundert worden – er wäre dort eine Neuheit gewesen, hier jedoch wurde er überhaupt nicht geschätzt.

Und desgleichen kam ein großer Edelmann und brachte einen teuren Diamanten, der aus fernen Ländern stammte und brachte mit sich noch einen Diamanten mit einem Bildnis und bat ihn einzugravieren – genau wie das Bild – so sollte er den Diamanten, den er mitgebracht hatte, eingravieren. Er gravierte das Bildnis genau nach, mit Ausnahme einer kleinen Sache, bei der er einen Fehler gemacht hatte, den niemand merken würde außer ihm selbst. Der Edelmann kam, nahm den Diamanten und war sehr angetan von ihm. Doch der Kluge litt große Qualen durch den Fehler, den er gemacht hatte.

Er dachte sich: „So ein kluger Mensch wie ich, wie konnte ich einen Fehler machen“?

Auch in der Medizin litt er. Als er zu einem Kranken kam und ihm eine Behandlung angedeihen ließ, wusste er gleich, dass der Patient, wenn er nur überlebte, durch die Behandlung, die eine ausgezeichnete Behandlung war, geheilt werden würde. Der Patient starb jedoch nachher. Die Leute meinten, er sei seinetwegen gestorben und dadurch hatte er großes Leid. Genauso behandelte er gelegentlich kranke Menschen und der Patient wurde gesund, doch die Öffentlichkeit behauptete, es sei ein Zufall (d.h. er wurde nicht durch seine Behandlung gesund). Auch dadurch litt er große Qual. So war er ständig voller Leiden.

Gleichermaßen, als er ein Kleidungsstück brauchte, ließ er den Schneider kommen und gab sich große Mühe mit ihm, bis er ihm beibrachte, das Kleidungsstück in der Art, die er wünschte, zu schneidern, in der Art, die er kannte. Der Schneider erfüllte seine Aufgabe und schneiderte das Kleidungsstück genau wie er wollte, nur an einem Aufschlag irrte er sich und der saß nicht präzise.

Dadurch litt er große Pein, denn obwohl das hier niemand bemerkte, wusste er bei sich: „Wäre ich in Spanien mit diesem Kragenaufschlag, würde man mich auslachen und ich würde lächerlich aussehen“. Und so litt er immer.

Und der Einfache pflegte immer zu laufen, kam zu dem Klugen mit Freude, mit Glück, er fand ihn jedoch immer in Pein und voller Leiden.

Er fragte ihn: „So ein weiser Mensch und so ein reicher Mensch wie du – weshalb leidest du immer? Warum bin ich immer glücklich“? Dem Klugen erschien das wie Hohn und er hielt ihn für verrückt.

Der Einfache sagte zu ihm: „Sogar einfache Leute, wenn sie mich verspotten, sind sie Narren, denn wenn sie schon klüger sind als ich – sind sie im Gegenteil Narren! Noch mehr so ein kluger Mensch wie du (bist). Was geht’s mich an, wenn du klüger bist als ich“?

Der Einfache verkündete und sagte zu dem Klugen: „Wenn nur der Höchste geben würde, dass du auf meine Stufe kämest (in anderen Worten, dass du auch eine einfache Person würdest)“.

Der Kluge antwortete: „Es könnte geschehen, dass ich deine Stufe erreiche – wenn G-tt meinen Intellekt wegnähme, der Himmel möge das verhüten, oder wenn ich, der Himmel möge es verhüten, krank werden würde, könnte es geschehen, dass ich auch verrückt werden würde. Denn was bist du denn, wenn nicht ein irrer Mann? Doch dass du auf meine Stufe kämest, das ist auf keinen Fall möglich, dass du so ein kluger Mensch wie ich werden könntest“.

Der Kluge machte sich sehr lustig über ihn.

Nun, diese zwei Söhne, man pflegte sie den „Klugen“ und den „Einfachen“ zu nennen. Sie riefen den einen „Kluger Mann“, den anderen „Einfacher Mann“. Obwohl es viele kluge Leute und einfache Leute gibt auf der Welt, hier war es sehr deutlich, denn sie stammten aus dem gleichen Ort, waren in der gleichen Schulklasse gesessen und einer wurde zu so einer extrem klugen Person, der andere jedoch zu einer besonders einfachen Person (folglich gab man ihnen die Spitznamen „Kluger“ und „Einfacher“). Am Standesamt (in dem Buch, in dem die Bewohner registriert sind) ist jeder mit seinem vollen Namen eingetragen, also registrierte man den einen mit „Kluger“ nach seinem Namen, den anderen mit „Einfacher“ nach seinem Namen.

Eines Tages kam der König in die Registratur und fand die beiden, wie sie registriert waren, einer mit dem Spitznamen „Kluger“, der andere mit dem Spitznamen „Einfacher“. Es war erstaunlich für den König, dass zwei Menschen solche Spitznamen haben sollten - „Kluger“ und „Einfacher“. Der König wünschte sehr, sie zu sehen.

Der König beschloss: „Wenn ich plötzlich nach ihnen schicke, vor mir zu erscheinen, werden sie ängstlich sein und der kluge Mann könnte nicht wissen, was er antworten solle, der Einfache könnte vor Angst verrückt werden.

Der König beschloss, einen klugen Mann zu dem Klugen zu schicken, einen einfachen Mann zu dem Einfachen. Doch wo sollte man einen Einfachen finden in einer königlichen Stadt? Denn in einer Königsstadt (das ist die Stadt, in der ein König lebt) ist die Mehrheit der Leute klug. Jedoch derjenige, der Wächter ist über die Schatzkammer – er ist ausdrücklich eine einfache Person, denn man will keine kluge Person als Wächter über die Schätze. Vielleicht würde er, durch seine List und seinen Intellekt, die Schätze unterschlagen – deshalb traut man spezifisch einer einfachen Person die Schätze an.

Also ließ der König einen klugen Mann und einen einfachen Mann kommen (der Wächter war über die Schätze) und sandte sie zu den beiden (zu dem Klugen und dem Einfachen). Und er schrieb ihnen Briefe – jedem separat. Er gab ihnen auch einen Brief an den Gouverneur der Provinz, der die beiden, das heißt der Kluge und der Einfache, angehörten. Der König befahl in seinem Brief, der Kommandeur solle die Briefe in seinem Namen zu dem Klugen und dem Einfachen schicken, damit sie nicht verängstigt seien. Er solle ihnen schreiben, die Angelegenheit sei nicht dringend, der König befehle nicht ausdrücklich, dass sie kommen sollten, sondern es sei ihre Wahl. Wenn sie wollten, konnten sie kommen. Der König wolle sie sehen.

Die Gesandten reisten ab, der kluge und der einfache Gesandte kamen zu dem Gouverneur und lieferten die Briefe ab.

Der Gouverneur erkundigte sich über die beiden und man sagte ihm, der Kluge sei ungeheuer klug und ein sehr reicher Mann. Der Einfache sei eine sehr einfache Person und trage als alle Kleidung einen Pelz <<einen Schafpelzmantel>>.

Der Gouverneur entschied, es sei sicher nicht korrekt, ihn in einem Pelz vor den König zu bringen, also machte er ihm korrekte Kleidung und legte sie in den Wagen des einfachen Mannes. Und er gab ihnen die Briefe, wie befohlen.

Die Gesandten reisten ab und kamen zu ihnen, um die Briefe abzuliefern. Der gescheite Mann lieferte es dem Klugen ab, der einfache Mann dem Einfachen.

Und der Einfache, sobald er den Brief bekommen hatte sprach zu dem Gesandten (der ebenfalls ein einfacher Mann war), der ihm den Brief brachte: „Ich weiß nicht, was in dem Brief steht, lies ihn mir vor“

Er antwortete ihm: „Ich werde dir aus dem Gedächtnis sagen, was in dem Brief steht. Der König will, dass du zu ihm kommst“. Sogleich fragte er: „Aber ohne Verhöhnung“? und der antwortete ihm: „Es ist eindeutig wahr, ohne Verhöhnung“.

Er war sofort erfüllt mit Freude und rannte zu seiner Frau und sagte zu ihr: „Meine Frau, der König hat nach mir geschickt“!

Sie fragte ihn: „Was ist das?! Warum hat er nach dir geschickt“? Er hatte überhaupt keine Zeit, ihr zu antworten. Er beeilte sich sofort freudig und ging und setzte sich in die Kutsche, sodass er mit dem Gesandten mitfahren konnte. In der Zwischenzeit entdeckte er auch die Kleider dort (die der Gouverneur für ihn hatte machen lassen und in die Kutsche gelegt hatte). Er wurde noch glücklicher – jetzt hatte er auch Kleider! Also war er überglücklich.

Inzwischen wurde dem König eine denunzierende Nachricht über den Gouverneur überbracht, dass er ein Betrüger sei und der König stürzte ihn (er setzte ihn ab).

Der König beschloss: Es sei gut, dass eine einfache Person, das heißt ein Tam, Gouverneur sein sollte. Denn der würde das Land mit Macht, Wahrheit und Gerechtigkeit führen, weil er keine Falschheiten oder Ungerechtigkeiten kannte.

Also fühlte der König, dass er den Einfachen zum Gouverneur machen sollte. Der König sandte einen Befehl aus, dass der Einfache, den er holen ließ, Gouverneur werden sollte. Nun musste der Einfache durch die Stadt des Gouverneurs fahren. Deshalb mussten sie sich an den Stadttoren postieren, um den Einfachen an den Stadttoren zu empfangen und ihm mitzuteilen, dass er Gouverneur sein solle.

Sie taten es so und standen an den Toren und sobald er durchkam, hielten sie ihn an und teilten ihm mit, er sei Gouverneur geworden. Er fragte: „Ganz ohne Spott“? und sie antworteten ihm: „Bestimmt! Ohne irgendwelchen Spott“!

Der Einfache wurde sofort Gouverneur, mit Macht und Stärke.

Und nun, da sein Masel (Glück) sich gewendet hatte und Masel machkim (das bedeutet Masel macht <<einen Menschen >> gescheit), erwarb er etwas Urteilsvermögen (das ist Verständnis). Trotzdem verwendete er sein Urteilsvermögen nicht, sondern benahm sich weiter mit seiner Einfachheit (Temimus) wie vorher, mit Wahrheit und Integrität. Er handelte gegen alle absolut ohne Falschheit oder Ungerechtigkeit. Und für die Staatsgeschäfte bedarf es keines großen Intellekts oder Raffinesse, nur Aufrichtigkeit und Temimus. Wenn zwei Menschen zu ihm kamen wegen eines Urteils, pflegte er zu sagen: „Du hast Recht und du bist haftbar“, nur laut Temimus und seiner Wahrheitsliebe, ohne Betrug oder Falschheit. Und auf diese Weise führte er alles mit Wahrheit.

Das Land liebte ihn sehr und er hatte treue Berater, die ihn wirklich schätzten. Aus Liebe gab einer von ihnen ihm folgenden Rat: „Insofern du ganz sicher vor dem König erscheinen wirst, da er schon nach dir gesendet hat, außerdem ist es üblich, dass der Gouverneur vor dem König zu erscheinen hat. Du bist sehr ehrlich und der König wird bei dir keinerlei Korruption finden, trotzdem ist es die Art des Königs, wenn er sich unterhaltet – lenkt er das Gespräch in andere Bahnen und beginnt, Weisheiten und Sprachen zu diskutieren. So geziemt es sich und ist die Etikette, dass du ihm antworten könnest. Daher ist es richtig, dass ich dich Weisheiten und Sprachen lehren solle.

Das gefiel dem Einfachen und es war für ihn annehmbar. Er beschloss: „Was stört es mich, Weisheiten und Sprachen zu erlernen“? Er lernte und erwarb Weisheiten und Sprachen. Es kam ihm in den Sinn, dass der Kluge gesagt hatte, es sei auf keinen Fall möglich, dass er dessen Weisheit erreichen könne. „Siehe, jetzt habe ich seine Weisheit erreicht“. (Und trotzdem, obwohl er jetzt in Weisheiten gebildet war, nutzte er die Weisheiten nicht und benahm sich weiter mit Einfachheit, wie zuvor).

Nachdem der König nach dem Einfachen gesandt hatte, er solle ihn besuchen kommen, fuhr er dorthin. Zuerst sprach der König mit ihm über die Führung des Landes und der König war sehr wohl zufrieden, denn er sah, dass er gerecht und mit großer Wahrhaftigkeit regierte, ohne Fehlverhalten und gänzlich ohne Täuschung. Danach begann der König verschiedene Gebiete der Wissenschaften und der Sprachen zu diskutieren. Der Einfache antwortete ihm, wie von ihm erwartet wurde und der König war noch zufriedener.

Der König sagte: „Ich sehe, ich habe hier so eine intelligente Person und trotzdem verhält sie sich mit Einfachheit <<Unschuld>>.

Er erfreute den König sehr und er war sehr gut in den Augen des Königs und der König erhob ihn zum Minister über alle Ministoren. Der König befahl, ihm eine separate Stadt zu geben, wo er leben sollte und befahl, ihm sehr schöne Mauern zu bauen, wie es ihm geziemte und gab ihm ein Schreiben, das ihn als Minister bestätigte. Und so war es. Man baute ihm gute und schöne Mauern, wo es der König befohlen hatte und er nahm die Größe mit Macht an.

Der Kluge, als der Brief des Königs ihn erreichte, sprach zu dem klugen Mann, der ihm den Brief überbrachte: „Warte und verbringe die Nacht hier. Wir werden alles besprechen und dann zu einem Beschluss kommen“.

Bei Nacht bereitete er ihm ein großes Festmahl zu. Während des Festmahls begann der Kluge (der Freund des Einfachen) zu überlegen und analysierte alles mit seiner Klugheit und seiner Philosophie.

Er sprach: Was kann es bedeuten, dass ein König nach solch einer niederen Person wie ich es bin, schicken würde? Was bin ich, dass der König nach mir senden sollte? Was ist die Bedeutung? So ein großer König, der solch ein großes Herrschaftsgebiet und solches Prestige hat, und ich bin so klein im Vergleich zu so einem König – wie ist es nur vorstellbar, dass solch ein König nach mir senden würde? Wenn ich mir sage, es sei wegen meiner Klugheit, dass er nach mir verlangt, was bin ich neben solch einem König? Hat denn der König keine weisen Männer? Der König ist gewiss selbst ein großer Weiser, was bedeutet es also, dass der König nach mir schickt?

Er war sehr, sehr erstaunt darüber und als er darüber nachdachte, rief er anderen klugen Personen zu: „Weißt du, was ich dir sage? Meine Meinung ist, es gibt überhaupt gar keinen König auf der Welt. Und die ganze Welt irrt sich in dem; sie glauben, es gäbe einen König hier. Ganz im Gegenteil. Verstehet – wie kann es sein, dass die ganze Welt sich in die Hände nur eines Menschen begäbe, dass er König sei? Es gibt ganz gewiss überhaupt garkeinen König auf der Welt“.

Der kluge Mann, der Gesandte antwortete: „Ich habe dir einen Brief des Königs gebracht“.

Der Kluge (der Freund des Einfachen) fragte ihn: „Hast du den Brief direkt aus des Königs Hand empfangen“?

Er antwortete ihm: „Nein, aber eine andere Person übergab mir den Brief vom König“.

Da rief er aus: „Im Gegenteil! Sieh jetzt mit eigenen Augen, dass es absolut keinen König gibt“!

Er fragte ihn nochmals: „Sag mir doch, du bist aus der königlichen Stadt, du bist dort aufgewachsen, hast du einmal den König gesehen“?

Er antwortete: „Nein (denn es ist wirklich so, dass nicht jeder das Privileg besitzt, den König sehen zu können. Der König wird nur in seltenen Ausnahmen gesehen).

Da deklarierte er: „Jetzt sehe ich, dass ich Recht habe, dass es absolut keinen König gibt, wenn nicht einmal du den König gesehen hast“.

Nochmals fragte der Bote den Klugen: „Wenn das wirklich so wäre, wer regiert dann das Land“?

Er (der Kluge, des Einfachen Freund) antwortete ihm: „Dies – ich werde es dir deutlich erklären, denn ich bin ein Experte in diesen Dingen und mich sollst du fragen, denn ich war in anderen Ländern. Ich war in Italien und dort ist dies die Gepflogenheit: „Es gibt siebzig beratende Minister, die erheben sich und regieren das Land eine Zeitlang. An diesem System der Autorität beteiligt sich das ganze Land, einer nach dem anderen (das heißt, erst sind einige Senatoren an der Macht, dann treten die ab und andere erheben sich und leiten das Land, und auf diese Weise, immer andere Personen)“.

Seine Worte begannen, in die Ohren des klugen Mannes (des Boten) einzudringen, bis sie sich einig waren und erklärten, es gäbe ganz gewiss keinen König auf der Welt.

Nochmals sprach der Kluge (der Freund des Einfachen):

„Warte bis zum Morgen, dann werde ich dir weitere Beweise geben, die dir klar beweisen werden, dass es definitiv keinen König gibt“.

Der Kluge stand am Morgen auf und weckte den anderen klugen Mann, den Boten und sagte zu ihm: „Komme mit mir auf die Straße; ich werde dir zeigen, wie die ganze Welt sich irrt und dass es absolut keinen König gibt“.

Sie gingen zum Marktplatz und bemerkten einen Soldaten. Sie hielten ihn fest und fragten ihn: „Wem dienst du“?

Er antwortete: „Dem König“.

„Hast du jemals in deinem Leben den König gesehen“? Er antwortete: „Nein“.

Er gab bekannt (das war der erste kluge Mann, der Freund des Einfachen; er wird immer der erste kluge Mann genannt) und sagte: „Seht her! Es gibt so viel Torheit“! (Er meinte, der Soldat dient dem König, aber er kennt ihn nicht – der Kluge wollte mit seiner albernen Klugheit beweisen, dass es absolut keinen König gab).

Danach gingen sie zu einem Armeeoffizier und begannen eine Konversation mit ihm, bis sie ihn fragten: „Wem dienst du“? Er antwortete: „Dem König“. Hast du den König jemals gesehen“? „Nein“

Er verkündete: „Im Gegenteil – sieh mit deinen eigenen Augen, dass sie alle falsch liegen und es gibt hier keinen König“ (Denn der Offizier hatte ebenfalls den König nicht gesehen).

Es wurde zwischen ihnen beschlossen, dass es dort überhaupt keinen König gab.

Der erste kluge Mann verkündete: „Kommt, lasset uns die Welt bereisen. Ich werde euch noch zusätzlich zeigen, dass die ganze Welt mit großer Dummheit falsch denkt“.

Sie fuhren und reisten um die Welt und wo immer sie ankamen, fanden sie immer die Welt falsch denken (in anderen Worten, die klugen Männer fielen dank ihrer „Weisheit“ in so große Dummheit, so weit, dass sie dachten, die ganze Welt denke falsch).

Die Angelegenheit des Königs (das war die Tatsache, die für sie als bewiesen galt, dass es keinen König gab) war für sie bereits zu einem Inbegriff geworden und wo auch immer sie die Welt im Irrtum glaubten, nahmen sie den König als Analogie. „So wie es ‚wahr‘ ist, dass es einen König gibt, so ist auch dies <<‘wahr‘>>.

So waren sie also draußen in der Welt und reisten, bis ihnen ihre Habe ausging. Sie begannen damit, ein Pferd zu verkaufen, danach das andere, bis sie alles verkauft hatten und sie zu Fuß gehen mussten. Und die ganze Zeit prüften sie die Welt und fanden sie immer im Irrtum.

Und sie wurden zu fahrenden Bettlern und waren überhaupt nicht mehr vornehm, denn jetzt nahm niemand mehr Notiz von ihnen.

So waren sie draußen in der Welt, bis sich herausstellte, dass sie in die Stadt kamen, in der der Minister lebte (der Einfache, der Freund des Klugen). Und dort in der Stadt war ein echter Baal Schem <<Meister des Namens (G-ttlich), ein heiliger Mann und Wundertäter>>. Und man hatte große Wertschätzung für den Baal Schem, denn er hatte wirklich wundersame Dinge getan. Sogar bei den Adligen genoss er sehr großes Ansehen und wurde von ihnen sehr geschätzt.

Die beiden Klugen kamen in die Stadt, gingen herum und kamen zu dem Haus des Baal Schem. Sie sahen dort viele Wagen mit Kranken stehen, vielleicht vierzig oder fünfzig. Der Kluge glaubte, ein Arzt lebe dort. Er wollte zu ihm hineingehen, denn er war selbst ein großer Arzt, deshalb wollte er zu ihm hineingehen und seine Bekanntschaft machen.

Er fragte: „Wer wohnt hier“? Man antwortete ihm: „Der Baal Schem“. Er lachte sehr laut und sagte zu dem anderen (das war der Kluge, den man gesandt hatte) „Das ist noch eine Lüge und ein Unsinn! Das ist sogar größerer Unsinn als der Fehler über den König! Bruder, ich werde dir über diese Falschheit erzählen, wie sehr die Welt sich irrt und so betrogen wird“.

In der Zwischenzeit wurden sie hungrig und sahen, dass sie noch drei oder vier Groschen hatten. Sie gingen zu der Suppenküche <<Gor – kech, jedermanns Küche>>, dort kann man sogar für drei, vier Groschen Essen bekommen. Sie bestellten, man solle ihnen Essen servieren und sie wurden bedient. Während sie aßen, sprachen sie miteinander und verspotteten die „Lüge“ und den „Irrtum“ des Baal Schem (und wie die Welt sich irrte). Der Gorkecher, der <<Verwalter der Suppenküche>> hörte sie reden und es verärgerte ihn sehr, denn der Baal Schem wurde dort sehr geachtet.

Er sagte zu ihnen: „Esst auf, was ihr habt und seht zu, dass ihr von hier verschwindet“.

Dann kam ein Sohn des Baal Schem herein und sie verspotteten den Baal Schem vor dessen Augen. Der Gorkecher schrie sie an, weil sie den Baal Schem vor den Augen seines Sohnes verspottet hatten. Schließlich schlug der Gorkecher auf sie ein und warf sie aus seinem Haus. Sie waren sehr erzürnt und wollten ihn wegen der Schläge vor Gericht bringen.

Sie beschlossen, zu ihrem Hauseigentümer zu gehen, wo sie ihre Bündel deponiert hatten, um ihn um Rat zu fragen, wie sie eine Anhörung vor Gericht erreichen konnten. Sie erzählten ihm, dass der Gorkecher sie schwer geschlagen hatte. Er fragte sie: „Warum“? Da sagten sie ihm, weil sie gegen den Baal Schem gesprochen hatten. Der Hauseigentümer antwortete ihnen: „Es ist eindeutig nicht korrekt, Leute zu schlagen. Ihr jedoch habt euch überhaupt nicht richtig verhalten, indem ihr über den Baal Schem gesprochen habt, denn der Baal Schem ist hier sehr hoch geachtet“.

Sie sahen, dass auch er sich „irrig“ verhielt. Sie verließen ihn und begaben sich zu dem Polizeipräsidenten und der war ein Nichtjude. Sie erzählten ihm die Geschichte und dass sie geschlagen worden waren. Er fragte: „Warum“? Sie sagten, weil sie gegen den Baal Schem gesprochen hatten.

Der Polizeipräsident schlug sie auch mörderisch und warf sie hinaus.

Sie gingen weg von ihm und zu seinem Vorgesetzten, der Autorität hatte, doch sie konnten keine Anhörung bekommen.

So gingen sie von einem zum anderen, zu immer höheren Beamten, doch sie konnten nichts erreichen. Bis sie zu dem Minister kamen (der der Einfache war). Dort, vor dem Haus des Ministers waren Wachposten stationiert. Die meldeten dem Minister, dass eine Person ihn sprechen wollte und er ließ ihn hereinbitten. Der Kluge kam vor den Minister.

Sobald er hereingekommen war, erkannte der Minister in ihm sofort den Klugen, seinen Freund. Der Kluge jedoch erkannte ihn nicht, da er jetzt so würdevoll war.

Sofort begann der Minister zu sprechen und sagte zu ihm: „Siehe wohin meine Unschuld und Einfachheit (Temimus) mich gebracht hat – zu solcher Größe – und wohin deine Klugheit dich geführt hat“.

Der Kluge merkte an und sagte: „Dass du mein Freund, der Einfache bist – darüber werden wir später sprechen. Aber jetzt gleich gib mir eine Gerichtsanhörung dafür, dass sie mich geschlagen haben“.

Er fragte ihn: „Weshalb haben sie dich geschlagen“? Er antwortete ihm: „Wie ich gegen den Baal Schem gesprochen habe, dass er ein Lügner ist und alles ist ein Schwindel“.

Der Einfache, der Premierminister, sagte zu ihm: „Du hältst immer noch an deinen Delusionen fest? Siehe, du hast gesagt, du könntest leicht meine Stufe erreichen <<das ist meine Stufe>>, ich könne jedoch deine nicht erreichen. Nun sieh, dass ich deine schon lange erreicht habe (denn der Einfache war bereits selbst ein weiser Mann geworden), du hast jedoch hast meine noch nicht erreicht. Und ich sehe, dass es schwerer ist, meine Einfachheit (Temimus) zu erreichen“.

Doch trotzdem, da der Einfache, der Minister, ihn schon lange gekannt hatte, als er noch groß war, befahl er, ihm Kleidung zu bringen, um damit eingekleidet zu werden und er lud ihn ein, mit ihm zu essen.

Während sie aßen, begannen sie sich zu unterhalten und der Kluge versuchte seine törichte Meinung zu demonstrieren, dass es überhaupt keinen König gäbe.

Der Einfache, der Minister schrie ihn an: „Was sagst du da?! Ich selbst habe den König gesehen“!

Der Kluge antwortete ihm mit Gelächter. „Du selbst weißt, dass es der König war? Du kennst ihn? Du kanntest seinen Vater und seinen Großvater und dass sie Könige waren? Woher weißt du, dass es der König war? Menschen haben dir gesagt, es sei der König, sie haben dich betrogen“.

Es ärgerten den Einfachen sehr, dass er die Existenz des Königs leugnete.

In der Zwischenzeit kam jemand herein und sagte: „Der Teufel <<Teifel, Asasel>> hat nach <<euch beiden>> schicken lassen.

Der Einfache zitterte sehr stark and lief mit großer Angst zu seiner Frau, in der Angst, der Teufel habe nach ihm geschickt. Sie riet ihm, den Baal Schem zu rufen. Er schickte jemanden, um den Baal Schem zu rufen. Der kam und gab ihm Kameiot <<Amulette, die heilige Namen enthalten>> und <<anderen>> Schutz und sagte ihm, nun werde er keine Furcht mehr empfinden. Er hatte großen Glauben an diesen Schutz.

Später saßen der Kluge und der Einfache wieder zusammen. Der Kluge fragte ihn: „Wovor warst du so verängstigt“? Er antwortete ihm: „Wegen des Teufels, der nach uns geschickt hat“.

Der Kluge lachte ihn aus und sagte zu ihm: „Du glaubst, dass es einen Teufel gibt“?!

Der Einfache, der Minister fragte ich: „Wer war es dann, der nach uns geschickt hat“?

Der Kluge antwortete ihm: „Das kommt bestimmt von meinem Bruder. Er wollte sich mit mir treffen, er dachte sich das aus und schickte ihn zu mir in dieser Verkleidung“.

Da fragte ihn der Einfache: „Wenn dem so ist, wie kam er dann durch, durch alle Wachen“?

Er antwortete ihm: „Er hat sie sicher bestochen und sie haben sich mit ihm abgesprochen und lügen jetzt, dass sie ihn nicht gesehen haben“.

In der Zwischenzeit kam wieder jemand und sprach so: „Der Teufel hat nach euch geschickt“.

Der Einfache zitterte jetzt nicht mehr so und hatte überhaupt keine Angst, wegen des Schutzes, den er von dem Baal Schem bekommen hatte.

Er (der Einfache) rief aus und sagte zu dem Klugen: „Also, was sagst du nun“? Er antwortete ihm: „Ich werde es dir sagen. Ich habe einen Bruder, der wütend ist auf mich. Er hat sich so verkleidet, um mich zu erschrecken“.

Der Kluge stand auf und fragte den, der sie holen wollte: „Wie sieht derjenige, der nach uns gefragt hat, aus? Was für ein Gesicht hat er? Und welche ist seine Haarfarbe usw.“?

Er antwortete ihm so und so. Der Kluge antwortete und sagte: „Siehst du, genau so sieht mein Bruder aus“!

Der Einfache fragte ihn: „Wirst du mit ihnen gehen“? Er antwortete: „Ja, ich werde mit ihnen gehen, nur solltest du mir Soldaten als Eskorte geben, damit sie mir kein Leid antun können“.

Er gab ihnen eine Eskorte.

Die zwei Klugen gingen mit dem, der sie geholt hatte (das heißt mit dem Teufel, da sie nicht glauben wollten, dass es der Teufel war).

Die Soldaten der Eskorte kamen zurück und der Einfache, der Minister fragte: „Wo sind die Klugen“?

Sie antworteten, sie wüssten überhaupt nicht, wie sie verschwunden waren und wo sie hingekommen seien.

Und er (das war des Teufels Gesandter) hatte die Klugen geschnappt und sie in einen Sumpf aus Tonerde gebracht. Und der Teufel saß auf einem Sessel, inmitten des Sumpfes. Der war dick und klebrig wie Leim und die Klugen konnten sich gar nicht rühren in dem Schlamm.

Die Klugen schrien: „Ihr Böse! Warum quält ihr uns? Gibt es denn tatsächlich einen Teufel in der Welt? Ihr seid böse Leute, dass ihr uns ohne Grund foltert“! (Denn diese Klugen wollten immer noch nicht glauben, es gäbe einen Teufel, sie dachten, es seien böse Menschen, die sie ohne Grund folterten).

Die zwei Klugen blieben in dem dicken Morast liegen und sondierten die Lage. „Was ist das? Das sind nur Rowdies, mit denen wir einst gestritten haben und jetzt quälen sie uns so“.

Die Klugen blieben jahrelang in dem Sumpf und ihnen wurden viele Leiden zugefügt und viele Torturen.

Eines Tages ging der Einfache, der Minister, an dem Haus des Baal Schem vorbei und er dachte an seinen Freund, den Klugen. Er ging hinein zum Baal Schem, verbeugte sich in geziemender Weise, wie ein Minister und fragte, ob es möglich sei, ihm den Klugen zu zeigen und ob er ihn befreien könne.

Der Einfache, der Minister, sagte zum Baal Schem: „Erinnert ihr euch an den Klugen, nach dem der Teufel geschickt und ihn weggeführt hat? Seit dieser Zeit habe ich ihn nicht mehr gesehen“.

Der Baal Schem erwiderte: „Ja, ich erinnere mich“.

Der Einfache, der Minister, bat ihn, ihm zu zeigen, wo der Kluge war und er möge ihn von dort befreien.

Der Baal Schem sagte ihm: „Ich kann dir gewiss den Ort zeigen und ihn befreien, doch wisse, dass niemand dort hingehen kann, nur ich und du“.

Sie gingen beide zusammen und der Baal Schem tat, was er wusste und sie kamen dort an. Er sah, wie sie dort in dem dicken Schlamm, in der Tonerde lagen.

Als der Kluge den Einfachen erblickte, schrie er zu ihm: „Bruder siehe! Sie schlagen mich. Diese Verbrecher quälen mich so sehr, ohne Grund“!

Der Minister schrie ihn an: „Noch immer hältst du fest an deinen Erfindungen und willst an nichts glauben? Und du sagst, das seien Menschen. Nun, sieh her, dies ist der Baal Schem, den du verleugnet hast. Wir werden dir zeigen, dass genau er dich herausholen kann (und er wird dir die Wahrheit zeigen)“.

Der Einfache, der Minister, bat den Baal Schem, sie herauszuholen und ihnen zu zeigen, dass es der Teufel war und keine Menschen.

Der Baal Schem tat, was er tat und sie standen plötzlich auf trockenem Boden, da war gar kein Sumpf mehr. Und die Dämonen wurden zu einfachem Staub (das ist, sie wurden zu gewöhnlicher Erde). Da erkannte der Kluge zum ersten Mal die Wahrheit, dass es wirklich einen König gab und dass es wirklich einen echten Baal Schem gab.

**Anmerkungen nach der Geschichte**

(Nachdem er die Geschichte beendet hatte, verkündete er (Rabbeinu): Wenn das Gebet nicht so ist, wie es sein sollte, ist es ein ‚Schuh mit drei Ecken‘.

Verstehe gut, was gesagt wird, denn man kann sein Leben verbringen mit Wasser, Brot und einem Schafpelzmantel und ein besseres Leben haben, als die klügste und reichste Person, denn wir sehen, dass sie immerdar voller Leiden sind. Am Ende ist es sicherlich gut für den Tam, der sich begnügt mit dem, was er hat und immer glücklich ist. Und wer ein kluger Mann sein will und alles sehr viel überdenkt, wird Schwierigkeiten vom Anfang bis zum Ende haben und andauernd voller Leiden sein. Er wird nie ein Leben haben und schlussendlich verloren sein, bis der Tam sich seiner erbarmt und ihm hilft. Außer diesen, gibt es in dieser Geschichte viele große Geheimnisse, denn alle Geschichten sind durch und durch große Geheimnisse der Thora.

Was diese Geschichte betrifft, sagt die Thora <<Likutei Maharan II#19, die sich mit Temimus beschäftigt, dass die Essenz des Judentums und seiner Bekömmlichkeit nur Temimus und Einfachheit ist, ohne mentale Ränke. Das Konzept von Amalek, der übergescheit sein wollte und dann in seiner Wurzel ein Abtrünniger wurde etc. Siehe dort den bezüglichen Vers - <<sieben>> ShevA jipoL ZaddiK wekaM – sieben Mal fällt der Zaddik, doch er steht auf – die Endbuchstaben ergeben Amalek, denn die Ursache des Niedergangs ist durch Weisheiten usw., siehe dort.

Auch Agag, aus dem Samen Amaleks, obwohl er seinen Fall kommen sah, als Samuel zu Schaul kam, um ihn zu töten, glaubte er es nicht, wie geschrieben steht “Agag ging zu ihm in Ketten“ <<Samuel 1 15:32>> und <<Targum>> Jonathan übersetzt: „<<Agag ging zu ihm>> mefanka – in einer noblen, nachsichtigen Art. Denn er glaubte noch immer nicht an seinen Fall, bis er mit seinen eigenen Augen den Fall sah. Dann „In der Tat hat die Bitterkeit des Todes sich mir zugewendet“, denn bis dahin glaubte er nicht daran.

(Wende deine Augen dieser Geschichte zu, dann wirst du Wunder über Wunder wahrnehmen). Und wenn das Gebet nicht so ist, wie es sein sollte, ist es ein Schuh mit drei Ecken, und verstehe.

Geschichte 10
