# VON DEM RABBINER UND DEM EINZIGEN SOHN

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Es war einmal ein Rabbiner, der keine Kinder hatte. Später bekam er einen einzigen Sohn, den er großzog und dann verheiratete. Dieser einzige Sohn pflegte in einer Dachstube zu sitzen und zu studieren, wie es bei reichen Leuten üblich ist. Er pflegte ständig zu lernen und zu beten. Trotzdem fühlte er, als ob es ihm an etwas mangle, als ob ihm etwas fehle, er wusste jedoch nicht, was das war. Dadurch erfüllte ihn beim Beten und Lernen keine Zufriedenheit.

Er erzählte dies vor zwei jungen Leuten, die ihm den Rat erteilten, zu einem gewissen Zaddik (Gerechten) zu fahren. Dieser einzige Sohn erfüllte eine Mitzwa, durch die er in den Zustand des „Kleinen Lichts“ (d.h. Mond) versetzt wurde.

Der einzige Sohn ging zu seinem Vater und erzählte ihm, er fühle keinen Geschmack an seinem Dienst (bei seinem Dienst für den Ewigen, beim Beten und Lernen und anderen Geboten), ihm fehle etwas, er wisse jedoch nicht was, so wolle er zu jenem Zaddik fahren (von welchem man ihm erzählt hatte, wie oben erwähnt).

Der Vater antwortete ihm: „Was fällt dir ein, zu ihm zu fahren, du bist wohl gelehrter als er und von vornehmerer Abstammung. Es steht dir nicht an, zu ihm zu fahren. Kehre doch um von diesem Wege“ – und so hinderte der Vater ihn daran, zu dem Zaddik zu fahren. Also machte er sich wieder daran, zu lernen und spürte wiederum den Mangel.

Er ließ sich wieder von Menschen beraten und sie gaben ihm nochmals den Rat, zu jenem Zaddik zu fahren. Wieder ging er zu seinem Vater und dieser schlug es ihm wiederum ab und hinderte ihn daran. Und so verlief es etliche Male.

Der einzige Sohn fühlte weiterhin, es würde ihm etwas fehlen und er sehnte sich sehr danach, das Fehlende zu ersetzen (d.h. etwas richtig zu stellen, sodass ihm nichts fehlen möge). Und er wusste nicht, was es war, das ihm fehlte, wie erwähnt.

Nochmals ging er zu seinem Vater und bat ihn inständig, bis der Vater mit ihm fahren musste. Der Vater wollte mitfahren, da dies sein einziger Sohn war und er wollte ihn nicht alleine fahren lassen.

Der Vater sagte zu ihm: „Siehe, ich werde dir zeigen, dass er gar nichts ist (dass der Zaddik nichts wert sei)“. Also spannten sie die Kutsche an und fuhren los. Da sagte der Vater zum Sohn: „Hiermit will ich die Reise auf die Probe stellen. Wenn alles ordnungsgemäß verläuft, dann ist es vom Himmel bestimmt. Wenn nicht, ist das ein Zeichen des Himmels, dass wir nicht fahren sollen und wir werden umkehren“.

Als sie so dahinfuhren, kamen sie zu einer kleinen Brücke. Ein Pferd stürzte, die Kutsche kippte um und sie wären fast ertrunken. Da sagte der Vater zu ihm: „Siehst du, dass es nicht richtig verläuft und diese Fahrt nicht vom Himmel bestimmt ist“! Und sie kehrten um.

Abermals setzte der einzige Sohn sich ans Lernen und nochmals verspürte er, dass ihm etwas fehle und er wusste nicht, was. Wiederum flehte er seinen Vater an und wiederum musste der mit ihm fahren.

Als sie fuhren, stellte der Vater die Reise wiederum auf die Probe, so wie bei der vorhergehenden Reise. Wieder stellte er die Bedingung, dass alles ordnungsgemäß verlaufen solle usw.

Während sie fuhren, geschah es, dass beide Achsen brachen. Der Vater sprach so zu ihm: „Du siehst doch, dass es für uns nicht richtig ist, zu fahren, ist es denn naturgemäß, dass beide Achsen brechen? Wie oft sind wir schon mit dieser Kutsche gefahren und nie hat sich solches ereignet“?

Also kehrten sie wieder um.

Der einzige Sohn begann wieder zu lernen und fühlte wieder, dass ihm etwas fehlte und die jungen Leute redeten ihm weiter zu, er solle fahren. Also ging er nochmals zum Vater und bat ihn inständig, noch einmal mit ihm zu fahren. Und er sagte zu seinem Vater: „Wir werden es diesmal nicht auf die Probe stellen, denn es ist natürlich, dass gelegentlich ein Pferd stürzt, oder dass die Achsen brechen. Es sei denn, es wäre etwas wirklich Abnormales“.

Also fuhren sie los und kamen zu einer Herberge, um dort zu nächtigen. Dort trafen sie einen Händler und sie begannen, sich mit ihm zu unterhalten, wie es bei Kaufleuten üblich ist. Sie sagten ihm nicht, dass sie dorthin (zu jenem Zaddik) unterwegs waren, denn der Rabbiner schämte sich zu sagen, er sei zu jenem Zaddik unterwegs.

Sie sprachen von allerlei weltlichen Angelegenheiten, bis sie im Verlauf des Gesprächs auf Zaddikim (Gerechte) und wo diese sich befinden, zu sprechen kamen. Erzählte er (der Händler), dass sich an einem gewissen Ort ein Zaddik befinde. Sie begannen, über den Zaddik zu reden, da sagte der Händler: „Dieser (in geringschätzigem Ton), der ist minderwertig (d.h. kein koscherer Jude), eben komme ich von ihm und war gegenwärtig, als er eine Sünde beging.

Sprach der Vater (zum einzigen Sohn): „Siehst du, mein Kind, was der Händler so unbefangen erzählt (d.h. er hatte nicht beabsichtigt, Schlechtes über den Zaddik zu reden, sondern im Laufe des Gesprächs hatte er es beiläufig erwähnt), er ist doch eben von dort gekommen. Und sie kehrten heim (der Rabbiner mit dem einzigen Sohn).

Danach verstarb der Sohn. Er erschien er seinem Vater im Traum und der Vater spürte, dass der Sohn sehr zornig war. Der Vater fragte ihn: „Weshalb zürnst du so“? Da antwortete der ihm (der Sohn, der verstorben war, antwortete dem Vater im Traum), er solle zu jenem Zaddik fahren (zu welchem sie zuvor hatten fahren wollen). „Er wird dir sagen, warum ich so erzürnt bin“.

Der Vater wachte auf und dachte sich, es sei nur ein Zufall gewesen (d.h. es wäre nur ein Traum und keine Wahrheit). Danach träumte er das Gleiche wieder und dachte wieder, es sei ein falscher Traum. So verlief es drei Mal, also verstand er, dass es kein leerer Traum war und er fuhr dorthin. (D.h. der Rabbiner fuhr zu dem Zaddik, zu dem er mit dem Sohn hatte fahren wollen).

Auf dem Weg begegnete er wieder dem Händler, den sie getroffen hatten, als er sich mit seinem Sohn dort aufhielt). Der Rabbiner erkannte ihn und sagte zu ihm: „Du bist der, den ich in der Herberge gesehen habe“.

Erwiderte der ihm: „Sicherlich hast du mich gesehen“ und er öffnete sein Maul und sagte zu ihm: „Wenn du möchtest, werde ich dich verschlingen“!

Da sagte der zu ihm (d.h. der Rabbiner zu dem Händler): „Was redest du denn da“?

Da antwortete der ihm: „Erinnerst du dich, als du mit deinem Sohn gefahren bist und zuerst stürzte ein Pferd auf der Brücke und du kehrtest um. Danach zerbrachen die Achsen und danach begegnetest du mir und ich sagte dir, der Zaddik wäre minderwertig. Jetzt, da ich deinen Sohn schon losgeworden bin, jetzt darfst du fahren“!

Denn der Sohn entsprach dem ‚kleinen Licht‘ und der Zaddik, zu dem er fahren wollte, entsprach dem ‚großen Licht‘ (Sonne).

Wären sie beide am selben Ort zusammengekommen, wäre der Moschiach schon gekommen. Und nun, da ich ihn los bin, kannst du schon fahren“. Mitten in seiner Antwort verschwand der Händler und der Vater hatte keinen Ansprechpartner mehr. Also fuhr er zu dem Zaddik und schrie: „Weh mir! Weh mir! Wie schade um diejenigen, die so verloren gehen und können nicht wiedergefunden werden“.

Der Ewige, gelobt sei Er, möge bald unsere Verstoßenen zurückbringen, Amen.

Und der Händler war der Satan selbst, der sich als Händler verkleidet und sie betrogen hatte. Danach, als er dem Rabbiner begegnete, provozierte er ihn selber, dass er auf ihn gehört hatte. Denn so ist der Weg des Bösen Triebes, anfangs redet er auf den Menschen ein und wenn der Mensch ihm folgt, provoziert er den Menschen und rächt sich an ihm, weil er auf ihn gehört hat. Möge der Ewige, gelobt sei Er, uns vor ihm erretten und uns zu der echten Wahrheit zurückbringen, Amen.

Geschichte 9
