# Vorschriften für die Megilla (Halachot Purim)

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## Vorschriften für die Megilla (Halachot Purim)

VORSCHRIFTEN FÜR DIE MEGILLA (Kitzur Schulchan Aruch)

**Wenn der Monat Adar beginnt, mehrt man die Freude. Ein Israelit, der mit einem Nichtjuden eine Differenz hat, soll in diesem Monat prozessieren.**

1 In den Tagen von Mordechai und Esther versammelten sich die Juden am dreizehnten des Monats Adar, um ihr Leben zu verteidigen und ihre Feinde zu strafen. Deshalb mussten sie vor dem Ewigen, gepriesen sei Sein Name, um Erbarmen flehen, dass Er ihnen helfe. Und wenn Israel sich im Kampf befand, fastete man, damit der Ewige ihnen helfe. Auch unser Lehrer Moses fastete an dem Tag, an dem er mit Amalek kämpfte. Deshalb fasteten Mordechai und Esther am dreizehnten Adar. Und deshalb hat Israel diesen Fasttag für die Gemeinde auf sich genommen. Er wird Fasten Esthers genannt, um daran zu erinnern, dass der Schöpfer, gepriesen sei Sein Name, auf das Gebet eines jeden, in der Zeit seiner Not, hört und wenn der Mensch fastet und mit ganzem Herzen zum Ewigen zurückkehrt, wie Er unseren Vätern in jenen Tagen getan hat. Dennoch ist dieser Fasttag nicht so sehr eine Pflicht, wie die vier Fasttage, die in der heiligen Schrift stehen. Deshalb kann man Erleichterungen anwenden, wenn es notwendig ist, zum Beispiel werdende oder nährende Mütter, ebenso eine Wöchnerin während der ersten dreißig Tage, ebenso braucht ein neu Vermählter während der sieben Tage seines Festmahles nicht zu fasten. Andere Gesunde sollen sich nicht von der Gemeinde trennen, sogar wenn jemand unterwegs ist und das Fasten ihm schwerfällt, soll er doch fasten.

2 Am vierzehnten Adar ist Purim. Wenn Purim auf den ersten Tag der Woche fällt, fastet man schon vorher, am fünften Tag der Woche. Wenn an diesem Tag eine Brit Mila stattfindet, mache man das Festmahl am Abend. Der Gevatter aber (derjenige, der das Kind bei der Beschneidung hält und der Vater des Kindes dürfen an diesem Tag essen und müssen nicht am Erew Schabbat fasten. Wenn einer aber vergessen hat und er hat am fünften Tag gegessen, muss er Erew Schabbat fasten.

3 Zu Ehren der Megilla ziehe man Schabbatkleider an und wenn man von der Synagoge nach Hause kommt, sollte man brennende Lichter und eine festlich gedeckte Tafel vorfinden. Abends sagt man nach dem Schmone Esre Gebet ganz Kaddisch mit „Titkabel“, man liest die Megilla vor, danach sagt man „Weata Kadosch“ (Dieser Vers kommt im Psalm „Dem Sangmeister nach Hindin des Morgens“ vor, was sich auf Esther bezieht. Psalm 22:4; dort heißt es auch “Mein G-tt, ich rufe zu Dir am Tag“… was sich auf die Vorlesung der Megilla bezieht. Denn es sagte R.Jehoschua b. Levi, (Megilla 4a), man ist verpflichtet, die Megilla bei Nacht vorzulesen und sie am Tag zu wiederholen, wie es heißt: „Mein G-tt, ich rufe zu Dir bei Tag, Du antwortest nicht und auch in der Nacht schweige ich nicht“; und darauf folgt, „aber Du Heiliger,…“); hierauf ganz Kaddisch ohne Titkabel. Nach dem Ausgang des Schabbats ganz Kaddisch, ohne Titkabel, dann „Wajiten Lecha“ und dann Hawdala über einen Becher Wein.

4 Man pflegt vor Purim die Hälfte der zu der Zeit, an dem Ort feststehenden Münzeinheit als Erinnerung an den halben Schekel geben, den man im Adar für die Armen der Gemeinde gab. Es ist Gebrauch, drei Hälften zu geben, weil im Abschnitt Ki Tisa Ex 30:11… drei Mal Truma vorkommt. Man gibt sie am Abend vor der Vorlesung der Megilla und verteilt sie an die Armen. Ein Kind ist frei, bis er zwanzig Jahre alt ist.

5 ‚Am Purim (das ist am vierzehnten Adar) sagt man abends, morgens und zu Mincha „Al Hanissim“. Wenn man es vergessen hätte, ist die Vorschrift wie am Channuka (Kap. 139, § 21)

6 Jeder ist verpflichtet, sowohl Männer, als auch Frauen, die Vorlesung der Megilla am Abend und am Tag zu hören, darum sollen auch Mädchen in die Synagoge gehen und wenn sie nicht hingehen, muss man sie ihnen zu Hause vorlesen; auch die Kinder soll man daran gewöhnen, die Vorlesung der Megilla zu hören; dennoch bringe man nicht zu kleine Kinder in die Synagoge, weil sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer stören.

7 Die Megilla bei Nacht darf man nicht vor dem Sichtbarwerden der Sterne vorlesen. Wenn einen das Fasten sehr anstrengt, kann man vor dem Vorlesen der Megilla etwas genießen, wie Kaffee und dergl., um sich von der Schwäche zu erholen.

8 Es ist eine besonders schöne Erfüllung des Gebotes, die Vorlesung der Megilla in der Synagoge zu hören, wo sich viele Menschen versammeln, weil die Menge des Volkes eine Verherrlichung des Königs ist. Man achte darauf, sie wenigstens in einer Zehnerzahl Erwachsener zu hören. Wenn man sie nicht in einer Zehnerzahl vorlesen kann, lese jeder Einzelne aus einer koscheren Megilla mit den Vor- Brachot vor. Wenn nur einer vorlesen kann, lese der eine vor, der es kann und die anderen hören zu und erfüllen so ihre Pflicht, wenn es auch nicht zehn sind. Die Nach- Bracha sagt man nur bei zehn Erwachsenen.

9 Es ist in ganz Israel gebräuchlich, dass der Vorleser nicht aus einer zusammengerollten Megilla vorliest, sondern sie ausbreitet und doppelt legt, Seite auf Seite, wie einen Brief, weil sie Purimbrief (Esther 9:29) genannt wird. Die Zuhörer brauchen sie nicht auszurollen.

10 Wer die Megilla vorliest, sei es am Tag oder bei Nacht, sagt vorher drei Brachot; über das Vorlesen der Megilla, der Wunder getan hat und der uns am Leben erhalten hat. Nach der Vorlesung rollt man die Megilla ganz zusammen, legt sie vor sich hin und sagt die Brachot: der unseren Streit geführt hat… Wenn ein Trauernder die Megilla vorliest, sagt ein anderer die Brachot, wegen der Bracha „Schehechejanu“.

11 Die Bracha „Schehechejanu“ am Tag bezieht sich auf das Gebot des Sendens von Gaben, der Almosen an Arme und des Purimfestmahls. Entsprechend habe der Vorbeter die Andacht bei dieser Bracha, die Gemeinde auch für die Gebote der Pflicht des „Schehechejanu“ zu entledigen.

12 Der die Megilla vorliest, muss die Andacht haben, alle Zuhörer ihrer Pflicht zu entledigen. Auch jeder Zuhörer muss die Andacht haben, entledigt zu werden und jedes einzelne Wort zu hören. Wenn man auch nur ein Wort nicht gehört hat, hat man seine Pflicht nicht erfüllt. Darum muss der Vorleser sorgsam darauf achten, dass er schweige, während einige Geräusche machen oder bei dem Wort „Haman“ klopfen, bis das Geräusch vollkommen vorüber ist. Es ist recht und angesagt, dass jeder eine koschere Megilla habe, um selbst leise Wort für Wort mitsage, aus Befürchtung, er könne ein Wort des Vorlesers nicht hören. Das gilt auch für jede Frau weisen Herzens, die sich in der Frauensynagoge befindet. Wie schön wäre es, wenn auch jede eine koschere Megilla hätte, um daraus mitzulesen, denn Frauen sind genauso verpflichtet wie Männer.

13 Der Vorleser muss die zehn Söhne Hamans und auch das Wort „Aseret“ in einem Atemzug sagen, um kundzutun, dass alle auf einmal aufgehängt wurden. Dass man an manchen Orten den Gebrauch hat, dass auch die Gemeinde die zehn Söhne Hamans mitsagt, ist kein richtiger Gebrauch. Vielmehr sagt sie der Vorleser allein und die Gemeinde hört zu, wie bei der ganzen Megilla. Wenn der Vorleser sagt, „in jener Nacht war Unruhe“, erhebe er seine Stimme, weil da das eigentliche Wunder beginnt. Und wenn er sagt „diesen Brief“, schüttle er die Megilla.

14 Wer eine untaugliche Megilla oder ein Chumasch (einen gedruckten Pentateuch) vor sich hat, lese nicht mit dem Vorleser mit; wenn man selbst liest, kann man die Andacht nicht haben, den Vorbeter zu hören. Selbst wenn man diese Andacht hätte, hört vielleicht ein anderer, was man liest und achtet nicht auf den Vorbeter. Ebenso helfe keiner dem Vorbeter auswendig. Darum muss der Vorbeter die vier Verse der Erlösung, welche die Gemeinde laut sagt, nochmals aus der koscheren Megilla vorlesen.

VORSCHRIFTEN FÜR DAS VERSCHICKEN VON GABEN AN SEINEN NÄCHSTEN, ALMOSEN FÜR DIE ARMEN UND DAS FESTMAHL AN PURIM

**Jeder ist verpflichtet, wenigstens einem Menschen zwei Gaben zu schicken; denn es steht geschrieben (Esth. 9:22): Gaben zu schicken einer seinem Nächsten, das bedeutet zwei Gaben an einen; wer vielfach seinen Nächsten Gaben schickt, ist lobenswert. Es ist jedoch besser, die Almosen an die Armen zu vermehren, denn keine Freude ist größer und herrlicher vor dem Heiligen, gelobt sei Er, als wenn man das Herz der Armen, Waisen und Witwen erfreut. Wer das Herz dieser Schmachtenden erfreut, gleicht der Vorsehung, so heißt es (Jes. 57:15): den Geist der Niedrigen zu beleben und das Herz der Bedrückten zu erquicken.**

1 Gaben werden nur Dinge genannt, die ohne weitere Zurechtmachung zum Essen geeignet sind, wie zum Beispiel Fisch oder Fleisch, die gekocht, nicht aber roh sind, oder Konfekt, Früchte, Wein oder Met und dergleichen.

2 Jedermann in Israel, auch ein Armer, der selbst Almosen empfängt, ist verpflichtet, zwei Armen zu geben, das heißt, ein Almosen jedem Einzelnen.	Man nimmt es mit dem Purim - Geld nicht so genau, sondern wer die Hand ausstreckt, um anzunehmen, dem gibt man. Wenn jemand an einem Ort ist, wo es keine Armen gibt, verwahre er das Geld bei sich, bis ihm ein Armer begegnet oder er schicke es ihnen.

3 Auch Frauen sind verpflichtet, Gaben zu schicken und den Armen Almosen zu geben. Gaben schicke eine Frau einer Frau, ein Mann einem Mann, aber Almosen für die Armen kann auch eine Frau einem Mann schicken, ebenso umgekehrt.

4 Man ist verpflichtet, am Purim zu essen und zu trinken und sich zu freuen. Auch in der Nacht zum Vierzehnten freue man sich und mehre das Mahl. Fällt Purim auf den Schabbat – Ausgang, wenn man auch am Schabbat eine dritte Mahlzeit essen sollte, esse man am Tag etwas weniger, um Raum für das Purimmahl in der Nacht zu lassen. Doch hat man mit dem Mahl, das bei Nacht stattfindet, seine Pflicht noch nicht erfüllt, da das Gebot ist, dass die eigentliche Mahlzeit am Tag stattfindet. Wie es heißt (Esth.9:22): Tage des Festmahls. Man zünde aus Freude und festlicher Stimmung, auch wenn das Mahl bei Tag stattfindet, Lichter an. Auch in der Nacht zum Fünfzehnten muss man noch Freude halten. Auch das Geben von Almosen und Gaben für die Nächsten sollen am Tag stattfinden, auch die Mahlzeit sollte größtenteils bei Tag stattfinden. Wenn Purim auf Erew Schabbat fällt, nimmt man das Mahl aus Rücksicht auf die Ehrung des Schabbats am Vormittag ein. Es ist gut, bevor man das Festmahl beginnt, sich mit Thora zu beschäftigen. Eine Stütze dafür ist (Esth.8:16): bei den Jehudim war Licht und wir deuten: Licht, das ist Thora.

5 Weil das ganze Wunder sich beim Wein vollzog, Waschti wurde beim Wein verstoßen, sodass Esther an ihre Stelle kam, ebenso trug sich die Sache Hamans und sein Sturz beim Wein zu, deshalb haben unser Weisen, seligen Andenkens, es zur Pflicht gemacht, sich mit Wein zu berauschen und gesagt: (Meg. 7b): „Man ist verpflichtet, sich am Purim zu berauschen, bis man zwischen verwünscht ist Haman und gesegnet sei Mordechai nicht mehr unterscheiden kann“. Wenigstens trinke man mehr, als das Gewohnte, um an das große Wunder zu denken und schlafe dann; wenn man schläft, kann man dann auch nicht mehr zwischen verwünscht ist Haman und gesegnet ist Mordechai unterscheiden. Wer aber von schwacher Natur ist und von sich weiß, dass er dadurch, was der Ewige verhüte, irgendein Gebot, eine Bracha, oder ein Gebet geringschätzen oder zu Leichtfertigkeit kommen könne, für den ist es besser, sich nicht zu berauschen. Alle Handlungen des Menschen seien dem Ewigen zu Ehren.

6 Ein Trauernder, selbst in der Trauerwoche, ist zu Almosen für die Armen verpflichtet, sowie auch Gaben an seine Nächsten zu schicken, doch schicke er keine Sache, die zu freudigem Anlass bestimmt ist. Dem Trauernden schickt man alle zwölf Monate (nach dem Tod von Vater oder Mutter) keine Gaben, selbst nicht Dinge, die nicht für freudige Anlässe bestimmt sind. Wenn an dem Ort nur der Trauernde und noch einer ist, muss dieser ihm schicken, um das Gebot, Gaben zu schicken, zu erfüllen.

7 Man verrichte am Purim keine Arbeit. Wer eine Arbeit verrichtet, wird an dieser Arbeit keinen Segen sehen. Durch einen Nichtjuden ist es erlaubt; es ist erlaubt, Geschäfte zu machen, ebenso ist es erlaubt, Freundschaftsbriefe zu schreiben. Für Purim selbst darf man auch richtige Arbeit verrichten.

8 Der fünfzehnte Adar wird bei uns Schuschan – Purim genannt; Trauerreden und Fasten sind verboten. Man hält an ihm ein kleineres Festmahl und Freude und Hochzeiten sind erlaubt, weil wir nicht die Megilla lesen, aber an dem Tag, an dem man die Megilla liest, an dem die eigentliche Purimfreude stattfindet, hält man keine Hochzeiten, denn man vermischt nicht eine Freude mit einer anderen Freude. Am vierzehnten und fünfzehnten Tag des ersten Adar (in einem Schaltjahr) sagt man auch nicht „Tachanun“, an ihnen sind Trauerreden und Fasten verboten und am vierzehnten Tag vermehrt man ebenfalls das Mahl.
