Es war einmal ein Kaiser, der keine Kinder hatte. Ebenso gab es einen König, der auch keine Kinder hatte. Der Kaiser begab sich auf eine Weltreise, um eine Behandlungsmöglichkeit zu suchen, die ihm helfen würde, Kinder zu bekommen. Der König begab sich ebenfalls auf solch eine Reise, in der Hoffnung, eine wirksame Behandlung zu finden.
Auf ihrer Reise begegneten der Kaiser und der König einander in einer Herberge und wussten nichts voneinander. Der Kaiser erkannte, dass der König königliches Benehmen hatte und fragte ihn danach. Der gab zu, er sei der König. Der König merkte dem Kaiser auch sein kaiserliches Benehmen an und der Kaiser gab ebenfalls zu, der Kaiser zu sein. Sie erzählten einander, dass sie auf der Welt herumreisten, um eine Heilmethode gegen ihre Kinderlosigkeit zu finden. Sie verabredeten, dass, sollten die Königin und die Kaiserin je ein Mädchen und einen Knaben gebären, sie diese beiden verloben wollten.
Der Kaiser fuhr nach Hause und bekam eine Tochter, der König, der sich ebenfalls nach Hause begab, bekam einen Sohn. Der König, wie auch der Kaiser vergaßen ihre Abmachung.
Der Kaiser schickte seine Tochter zum Studieren ins Ausland. Auch der König schickte seinen Sohn in die Welt, um zu studieren. Beide kamen bei einem Lehrer an und dort lernten sie einander kennen und hatten sich sehr lieb. Der Königssohn nahm einen Ring, steckte ihn auf ihren Finger und so wurden sie verlobt.
Danach schickte der Kaiser nach seiner Tochter und brachte sie nach Hause. Der König schickte ebenfalls nach seinem Sohn und auch er kehrte zurück nach Hause.
Man sprach von einer Verlobung für die Tochter des Kaisers, doch sie wollte nichts davon wissen, wegen ihres Bündnisses mit dem Königssohn. Der Königssohn sehnte sich sehr nach ihr und auch die Tochter des Kaisers wurde immer trauriger. Der Kaiser führte sie in all seine Paläste und Höfe, um ihr ihren Reichtum klarzumachen, doch sie war sehr bedrückt.
Der Königssohn sehnte sich so sehr nach seiner Braut, dass er krank wurde. Und wann immer man ihn fragte, warum er krank sei, wollte er nicht verraten, weshalb. Man fragte einen seiner Diener, ob er ergründen könne, was die Ursache seiner Krankheit sei. Da antwortete der, er wisse die Ursache, denn er war mit ihm dort gewesen, wo er gelernt hatte. (Das heißt, der Diener erzählte ihnen, warum der Prinz krank sei).
Da erinnerte der König sich, dass er schon lange eine Abmachung mit dem Kaiser hatte, bezüglich ihrer Kinder. Er schrieb sofort an den Kaiser, der möge eine Hochzeit ausrichten, denn die Verlobung sei doch eine vor langer Zeit abgemachte Sache.
Der Kaiser wollte die Verlobung nicht mehr, wagte es aber nicht, abzulehnen.
Der Kaiser schrieb zurück, der König möge seinen Sohn schicken, dann werde er ihm Ländereien übergeben, um zu sehen, ob er sie führen könne. Danach würde er ihm seine Tochter zur Frau geben.
So schickte der König seinen Sohn zu ihm. Der Kaiser gab ihm ein Zimmer und alle Papiere über Angelegenheiten des Landes, um zu sehen, ob er das Land führen könne.
Der Prinz sehnte sich sehr nach seiner Verlobten, konnte sie jedoch nie sehen. Einmal ging er an einer Spiegelwand vorüber, sah sie darin und fiel ohnmächtig zu Boden.
Sie kam zu ihm, ermunterte ihn und erzählte ihm, dass sie keine Verlobung angenommen habe, wegen des Bündnisses, das sie mit ihm hatte. Er sagte zu ihr: „Was sollen wir denn tun, dein Vater will unsere Heirat nicht“. Danach beschlossen sie, auf das Meer hinauszufahren und abzureisen. Sie mieteten ein Schiff und fuhren hinaus auf das Meer. Zuerst fanden sie kein Land, doch dann kamen sie an ein Ufer, das dicht bewaldet war. Sie stiegen ans Ufer und gingen in den Wald hinein.
Die Tochter des Kaisers zog ihren Ring aus, gab ihn dem Prinzen und legte sich schlafen. Der Prinz dachte, sie würde bald erwachen, da legte er den Ring neben sie. Danach gingen sie zurück zu dem Schiff. Doch die Tochter des Kaisers merkte, dass sie den Ring dort vergessen hatte und schickte den Prinzen, um den Ring zu holen.
Er ging hin und konnte den Ring nicht finden, ging weiter und konnte den Ring immer noch nicht finden, bis er sich verirrte und nicht mehr umkehren konnte. Er wanderte und ging weiter, bis er zu einer Siedlung kam. Dort konnte er nichts tun, also wurde er ein Diener.
Die Tochter des Kaisers ging ihm nach und verirrte sich ebenfalls. Sie beschloss, sich am Meeresufer hinzusetzen und ging dorthin. Dort gab es Fruchtbäume und sie ernährte sich von ihnen. Bei Tag pflegte sie dort herumzuwandern, in der Hoffnung, Passanten zu finden. Bei Nacht kletterte sie auf einen Baum, um vor Tieren geschützt zu sein.
Eines Tages kam ein Händler vorbei, ein sehr großer Händler, der überall in der Welt Handel trieb. Er hatte einen einzigen Sohn. Der Händler war schon alt, da sagte sein Sohn zu ihm: „Du bist schon alt und ich bin noch sehr jung. Deine Vertrauensleute achten nicht auf mich, was wird geschehen, wenn du stirbst und ich bleibe alleine, ohne zu wissen, was zu tun ist. Daher gib mir ein Schiff und viele Waren, um im Handel geübt zu werden“.
Der Vater gab ihm ein Schiff voller Waren, mit denen er in viele Länder fuhr, Waren verkaufte und neue Waren einkaufte. Als er sich auf dem Meer befand, sah er die Bäume, auf denen des Kaisers Tochter saß. Er meinte, es sei eine Siedlung, jedoch als sie sich näherten, sah er, dass es Bäume waren und wollte umkehren.
Der Händlersohn blickte auf das Wasser und dort spiegelte sich ein Baum und darauf eine menschenähnliche Figur. Er dachte, er täusche sich und sagte es den Anderen, die blickten auf und sahen ebenfalls etwas Menschenähnliches auf dem Baum.
Sie wollten sich nähern und schickten Boten mit einem kleinen Boot und sie wandten ihre Blicke dorthin, um das Boot zu ihr leiten zu können. Der Gesandte ging hin und sah, dass wirklich ein Mensch dort saß. Er sagte dem Sohn des Händlers Bescheid, der ging alleine hin und sah sie auf dem Baum sitzen.
Er bat sie, sie möge herunterkommen, doch sie sagte ihm, sie wolle keinesfalls auf sein Schiff kommen, bevor er ihr versprochen hatte, er werde sie nicht anrühren, bis sie nach Hause kämmen und er sie vorschriftsmäßig heiraten könne. Er versprach es ihr und sie ging mit ihm auf das Schiff.
Er sah, dass sie auf Instrumenten spielen und mehrere Sprachen sprechen konnte und freute sich sehr, dass sie ihm begegnet war. Bevor sie zu seinem Haus kamen, sagte sie ihm, es gezieme sich, dass er zuerst seinen Vater und seine Verwandten davon in Kenntnis setzen solle, dass er eine so angesehene Frau ehelichen werde. (Früher hatte sie ihm die Bedingung gestellt, dass sie ihm erst sagen werde, wer sie sei, nachdem sie getraut werden würden). Er war damit einverstanden. Es wäre auch Recht, sagte sie noch zu ihm, alle Matrosen, die das Schiff geführt hatten, betrunken zu machen, damit sie verstünden, welch wichtige Frau er heimführen werde.
Er folgte ihr, nahm sehr guten Wein, den er auf dem Schiff hatte und gab ihn den Matrosen. Die Matrosen betranken sich, verließen das Schiff und fielen dann betrunken nieder.
Inzwischen wurde alles vorbereitet, um mit der ganzen Familie der Frau entgegenzugehen. Inzwischen ging sie zurück zum Schiff, band das Schiff vom Ufer los, hisste die Segel und verschwand mit dem Schiff.
Die ganze Familie kam zu dem Anlegeplatz – doch sie fanden nichts. Der Händler war sehr verärgert über seinen Sohn. Der aber schrie: „Glaubt mir, ich habe ein Schiff voller Waren gebracht“! doch sie sahen nichts.
Der Sohn sagte: „Fragt doch die Matrosen“. Sie wollten die Matrosen fragen, was geschehen war, doch die lagen betrunken auf dem Boden. Als die Matrosen später aufwachten, fragte man sie und sie sagten, man habe ein Schiff gebracht mit allem, was der junge Händler gesagt hatte, sie wussten jedoch nicht, was damit geschehen sei. Der Händler war sehr verärgert über seinen Sohn, vertrieb ihn aus seinem Haus, er solle ihm nie wieder unter die Augen kommen.
Der Sohn ging weg, unstet und flüchtig, Die Tochter des Kaisers jedoch, fuhr hinaus auf das Meer.
Es gab einmal einen König, der baute sich seine Paläste am Meer, denn dort gefiel es ihm gut, wegen der Meeresbrise und wegen der Schiffe, die dort ankamen.
Die Tochter des Kaisers segelte auf dem Meer und kam in die Nähe des Palastes. Der König blickte hinaus auf das Meer und sah ein Schiff, von dem er meinte, es sei steuerlos und ohne Besatzung. Zuerst dachte er, er würde sich täuschen, da ließ er seine Leute nachsehen und sie sahen es ebenfalls. Die Königstochter sah den Palast, dachte nach und entschied: „Was nützt mir ein Palast“ und sie begann, das Schiff zu wenden. Doch der König schickte seine Leute, die brachten sie zurück und in den Palast.
Der König hatte keine Frau, denn er konnte keine auswählen. Die er wollte, wollten ihn nicht, ebenso andersherum.
Als des Kaisers Tochter zu ihm kam, sagte sie ihm, er möge schwören, dass er ihr Schiff nicht berühren würde, bis er sie gesetzmäßig geehelicht hatte. Er solle das Schiff so stehen lassen, bis nach der Hochzeit, damit alle sehen könnten, wie viele Waren sie gebracht habe und man sehen könne, dass er keine Frau vom Markt genommen habe. Er versprach ihr das alles.
Der König schrieb an alle Länder, sie sollen zu der Hochzeit kommen und er baute ihretwegen Paläste. Und sie befahl, man solle elf Edelfrauen kommen lassen, um ihre Gesellschafterinnen zu sein. Der König befahl es und man brachte elf vornehme Mädchen, Töchter von hohen Ministern und man baute jeder von ihnen einen besonderen Palast.
Sie pflegten zu ihr zum Hof zu kommen, auf Instrumenten zu spielen und Gesang zu pflegen. Einmal sagte die Tochter des Kaisers zu ihnen, sie mögen sich mit ihr auf das Schiff begeben. Sie gingen mit ihr und spielten dort.
Dann sagte sie zu ihnen, sie werde ihnen guten Wein servieren. Sie kredenzte den Wein, welcher auf dem Schiff war. Sie wurden betrunken, fielen nieder und blieben liegen.
Sie aber ging und band das Schiff los, breitete die Segel aus und segelte mit dem Schiff davon.
Als der König und seine Leute aufblickten und merkten, dass das Schiff sich nicht an seinem Anlegeplatz befand, wurden sie sehr erschrocken. Da sagte der König zu ihnen: „Seht zu, dass ihr es ihr langsam beibringt“ (denn der König wusste nicht, dass sie selbst mit dem Schiff entkommen war). Er meinte, sie dachte sich, der König habe das Schiff jemandem gegeben. Sie überlegten und beschlossen, eine der noblen Damen zu ihr zu schicken, um es ihr weise und taktvoll zu sagen. Sie gingen von Zimmer zu Zimmer, fanden jedoch keine der jungen Damen vor. Sie kamen zum Gemach der Tochter des Kaisers und auch dort war niemand aufzufinden, da wurden sie sehr verängstigt.
Inzwischen merkten die Minister, dass sie keine Briefe von ihren Töchtern bekamen. Sie schickten Briefe, es kamen jedoch keine Antworten. Da erhoben sie sich und fuhren allesamt zu dem König – und fanden nicht eine Einzige ihrer Töchter. Sie wurden sehr zornig und wollten den König an einen Ort verschicken, an den man zu Tode Verurteilte schickt, denn sie waren hohe Minister.
Dann aber dachten sie: „Es ist nicht des Königs Schuld, man kann ihn nicht verschicken, denn er kann nichts dafür“.
Man beschloss, den König seines Amtes zu entheben und ihn zu vertreiben. So geschah es, man setzte ihn ab, vertrieb ihn und er ging von dannen.
Und die Tochter des Kaisers, die mit dem Schiff und den elf noblen Damen weggesegelt war, befand sich auf hoher See.
Danach erwachten die edlen Damen, kehrten zurück zu Spiel und Spaß, da sie nicht wussten, dass das Schiff sich schon weit vom Ufer entfernt hatte. Sie sagten zu ihr: „Lasset uns heimkehren“, doch sie bat sie, noch ein wenig zu verweilen.
Plötzlich kam ein Sturmwind auf und sie wollten heimkehren. Da musste sie ihnen sagen, dass sie schon sehr weit vom Ufer entfernt waren. Da fragten sie: „Weswegen hast du das getan“? Sie sagte ihnen, dass sie Furcht gehabt habe, der Sturmwind würde das Schiff zerbrechen, deshalb habe sie es losbinden müssen.
So segelten sie auf dem Meer, des Kaisers Tochter und die elf Mädchen und pflegten dort auf ihren Instrumenten zu spielen.
Eine Zeit danach sahen sie auf dem Meer etwas, das einer Insel ähnelte. Die Mädchen baten sie, sich zu nähern, sie jedoch erzählte ihnen, dass sie es bereue, sich dem Palast des Königs, der sie heiraten wollte, genähert zu haben. Sie steuerten an das Ufer, doch dort waren zwölf Räuber, die sie töten wollten.
Die Tochter des Kaisers fragte sie: „Wer ist der Größte unter euch“? Man zeigte ihr, welcher und sie fragte ihn, was ihre Tätigkeit sei. Er sagte, sie seien Räuber. Da sagte sie zu ihm: „Wir sind auch Räuber, nur ihr seid Räuber durch eure Stärke und wir sind Räuber durch Weisheit, denn wir sind gelehrt in Sprachen und spielen viele Instrumente“.
Sie sagte: „Also, was werdet ihr gewinnen, wenn ihr uns tötet? Es wäre besser, ihr würdet uns zu euren Frauen machen, dann werdet ihr auch großen Reichtum haben“. Sie zeigte ihnen das Schiff (das noch von dem Sohn des Händlers stammte, mit viel Reichtum an Bord). Die Räuber willigten ein und zeigten ihnen ebenfalls ihre Reichtümer und die Orte, wo sie diese versteckt hielten.
Sie kam überein, dass nicht alle zugleich heiraten sollten, sondern einer nach dem anderen, wie auch, dass jeder seine Frau auswählen sollte, wie es ihm gefiel, je nachdem, wie mächtig er war.
Danach sagte sie zu ihnen, nun werde sie alle ehren und von ihrem guten Wein servieren, den sie auf dem Schiff habe, von dem sie gar keinen Gebrauch hatte. Der Wein sei bei ihr versteckt, bis G-tt ihr einen Gatten bescheren werde.
Sie goss den Wein in zwölf Becher und forderte alle auf, ihren Gatten zu trinken zu geben. Sie tranken und wurden alle betrunken und fielen nieder. Die Tochter des Kaisers sprach zu den edlen Damen: „Jetzt geht und jede soll ihren Gemahl töten“. Sie gingen hin und töteten alle. Danach fanden sie auf der Insel so großen Reichtum, wie er nicht einmal bei Königen zu finden ist.
Sie nahmen kein Kupfer und Silber, nur Gold und Edelsteine. Dann warfen sie alle unwichtigen Dinge aus dem Schiff und beluden das ganze Schiff mit dem Gold und den Edelsteinen, die sie dort fanden. Und sie beschlossen, nicht länger wie Frauen gekleidet zu sein, nähten sich männliche Kleidung und fuhren mit dem Schiff hinaus.
Der Tag kam, da gab es einen alten König, der hatte einen einzigen Sohn. Er richtete ihm eine Hochzeit aus und übergab ihm das Königtum. Einmal sagte er zu seinem Vater, er wolle mit seiner Frau auf das Meer hinausfahren, damit sie sich an die Meeresluft gewöhne, falls man irgendwann auf das Meer flüchten müsse.
Der Königssohn, seine Frau und alle Minister gingen an Bord des Schiffes und waren dort sehr fröhlich. Danach sagten sie, sie wollen ihre Kleider ablegen (das heißt, der Königssohn und seine Minister, die auf dem Schiff waren, beschlossen, vor Freude ihre Kleider abzulegen) und so taten sie es. Es blieb ihnen nicht mehr, als das Unterhemd. Und sie wetteten untereinander, wer wohl auf den Segelmast hinaufklettern konnte. Der Königssohn sprang auf den Segelmast und kletterte hinauf.
Inzwischen kam die obengenannte Kaisertochter mit ihrem Schiff näher und sah das Schiff (des Königssohnes mit den Ministern). Zuerst hatte sie Furcht, näher zu kommen, doch dann kam sie näher und sah, dass es dort fröhlich zuging, da verstand sie, dass es keine Räuber waren.
Die Tochter des Kaisers sagt zu ihren Freundinnen: „Ich kann den Glatzkopf ins Meer werfen“ (d.h. den Königssohn, der auf den Mast hinaufgesprungen war, denn der hatte eine Glatze).
Sie sagten zu ihr: „Wie ist das möglich, wir sind doch sehr weit entfernt“? Sie antwortete, sie habe ein Brennglas, damit werde sie ihn hinabwerfen. Und sie überlegte, ihn nicht hinunter zu werfen, bis er an der Spitze des Mastes angekommen war, denn solange er in der Mitte sei, würde er auf das Schiff fallen, wenn er aber an der Spitze des Segelbaumes war, würde er ins Meer fallen.
Sie wartete, bis er ganz oben war, dann nahm sie das Brennglas und hielt den Sonnenstrahl gegen sein Gehirn, bis ihm das Gehirn verbrannte.
Als er hinunterfiel, gab es dort (auf dem Schiff) großes Gepolter. Sie wussten nicht, was zu tun sei, denn der alte König würde vor Kummer sterben. Sie erwogen, sich dem Schiff (von des Kaisers Tochter) zu nähern, vielleicht gäbe es dort einen Doktor, der ihnen einen Rat geben könne. Sie näherten sich und sagten den Menschen auf dem Schiff (der Tochter des Kaisers), sie sollen sich nicht fürchten, denn sie wollen ihnen nichts antun. „Vielleicht ist bei euch ein Doktor, der uns Rat geben könnte“.
Und sie erzählten die ganze Geschichte, wie der Königssohn ins Meer gestürzt sei.
Da sagte die Tochter des Kaisers, man solle ihn aus dem Wasser holen. Sie tauchten und fanden ihn und holten ihn heraus. Dann nahm die Kaisertochter seinen Puls in ihre Hand und sagte, das Gehirn sei ihm verbrannt. Da nahmen sie sein Gehirn und zerlegten es und sahen, dass es so war, wie sie gesagt hatte. Sie wurden sehr erschrocken (d.h. es war für sie eine große Überraschung, dass der Doktor (also des Kaisers Tochter), solch eine genaue Diagnose gestellt hatte) und sie baten sie, sie solle gemeinsam mit ihnen ins Schloss kommen und dort die Position eines Arztes annehmen, eine sehr wichtige Position.
Sie wollte nicht mitgehen und sagte, sie sei kein Arzt und wisse diese Dinge einfach so. Die Leute vom Schiff des Königssohnes wollten nun nicht mehr nach Hause umkehren und beide Schiffe stachen gemeinsam in See.
Den Königsministern gefiel es sehr, dass ihre Königin (d.h. die Frau des Königssohnes, der vom Mast gefallen war), den Doktor zum Mann nähme, weil sie dachten, er sei ein großer Weiser, der in seiner Weisheit gewusst hatte, das Gehirn des abgestürzten Königssohnes sei verbrannt gewesen. Sie sahen, dass ‚er‘ überaus weise war, deshalb dachten sie, die Königin (welche die Frau des Königs gewesen war, der gestorben war) werde bei ihnen König werden und den alten König (den Vater des Königssohnes) würden sie umbringen. All dies wollten die Minister sehr. Sie schämten sich jedoch, der Königin zu sagen, sie solle einen Doktor nehmen. Der Königin gefiel es aber selbst sehr, den Doktor zu heiraten.
Nur hatte sie Furcht vor dem Land, vielleicht würden sie nicht einwilligen, dass er König werde. Und sie planten, Bälle (d.h. Bankette) zu veranstalten, damit man beim Umtrunk, bei der Heiterkeit, davon sprechen könne.
Also veranstalteten sie für jeden Bälle, an jeweils anderen Tagen. Als die Reihe an den Doktor kam (d.h. des Kaisers Tochter) gab sie ihnen von ihrem Wein, wie schon oben genannt und sie wurden betrunken.
Während der Heiterkeit sprachen die Minister: „Wie schön wäre es doch, wenn die Königin den Doktor heiraten würde“. Sagte der Doktor (des Kaisers Tochter): „Gewiss, es wäre sehr schön, wenn man es nur nicht mit betrunkenem Munde sprechen würde“. Die Königin sprach ebenfalls: „Es wäre sehr schön, den Doktor zu heiraten, nur sollte das Land auch einverstanden sein“. Da sagte wieder der Doktor: „Es wäre bestimmt sehr schön, es muss jedoch diskutiert werden, ohne betrunken zu sein!“.
Nachdem sie aus ihrer Trunkenheit erwachten, erinnerten sich die Minister, was sie gesagt hatten und schämten sich vor der Königin, dass sie so etwas vorgeschlagen hatten. In ihrem Inneren dachten sie jedoch, die Königin habe es doch auch gesagt. Inzwischen fing man an, darüber zu reden und es blieb dabei. Die Königin verlobte sich mit dem Doktor (d.h. die Kaisertochter, die man für einen Arzt hielt) und gingen zurück zu ihrem Land.
Als man sie vom Land her kommen sah, wurden die Landsleute sehr fröhlich, denn es war schon eine lange Zeit her, seit der Königssohn weggefahren war und man wusste nichts über seinen Aufenthalt. Der alte König war inzwischen gestorben, während sie fort waren.
Inzwischen bemerkten sie, dass der Königssohn, der ihr König gewesen war, nicht dabei war. Sie fragten (d.h. die Landsleute fragten): „Wo ist unser König“? Also erzählte man ihnen, der Königssohn sei schon lange gestorben und man habe schon einen neuen König angenommen, derjenige, der mit ihnen kam. (Des Kaisers Tochter).
Die Landsleute freuten sich sehr, dass man schon einen neuen König angenommen hatte. Der König (des Kaisers Tochter, die jetzt König wurde) ließ in allen Ländern ausrufen, dass überall, wo sich ein Gast, ein Flüchtling oder ein Vertriebener befinde, sollen sie zu der Hochzeit kommen, es solle keiner von ihnen fehlen. Und sie würden große Geschenke bekommen.
Weiters befahl der König (des Kaisers Tochter), man solle rund um die ganze Stadt Brunnen graben, damit jeder, der durstig war, aus einer Quelle trinken könne, die nicht weit entfernt war. Auf jeder Quelle solle man ‚sein‘ Bildnis aufmalen und man solle Wachen aufstellen, die genau aufpassen sollten, ob jemand die Gestalt auf dem Bildnis sehr genau mustern würde, oder seine Miene sich veränderte (wie jemand, der etwas genau anstarrt und geschockt oder traurig aussieht), den solle man verhaften und in den Arrest bringen.
So tat man es und es kamen alle drei: der erste Königssohn, der der wahre Bräutigam der Tochter des Kaisers war, die jetzt dort zum König wurde. Auch der Sohn des Händlers kam (welchen der Händler vertrieben hatte wegen des Kaisers Tochter, die mit dem Schiff und allen Waren entkommen war) und der König, den man vertrieben hatte (ebenfalls wegen der Tochter des Kaisers, die mit den edlen Damen entflohen war).
Jeder von ihnen erkannte, dass es ihre Gestalt war, die dort aufgemalt war und waren sehr bekümmert. Sie erkannten sie und starrten das Bild an und man verhaftete sie und brachte sie in den Arrest.
Während der Hochzeit befahl der König, (d.h. des Kaisers Tochter) man solle die Gefangenen vorführen und man brachte alle drei. Sie erkannte alle, doch die erkannten sie nicht, weil sie in Männerkleidung gewandet war.
Da sprach die Tochter des Kaisers: „Du König, dich hat man vertrieben wegen der elf noblen Damen, die verloren gegangen waren. Kehre zurück in dein Land und zu deinem Königreich. Hier hast du deine edlen Mädchen (die waren nämlich mit ihr, wie oben erwähnt).
Du, Händler, dich hat dein Vater vertrieben wegen des Schiffs mit der Ware, das verloren gegangen war. Und da du deine Waren so lange vermisst hast, deshalb hast du jetzt im Schiff mehr Reichtum, doppelt verdoppelt, viel mehr als vorher. (Denn jetzt befand sich im Schiff auch noch der Schatz der Räuber).
Und du Königssohn (d.h. der erste Königssohn, der ihr wahrer Bräutigam war) - komm her und lass uns heimfahren“. Und sie kehrten zurück nach Hause. Gelobt sei der Ewige in Ewigkeit, Amen und Amen.
3. Geschichte