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VON DER FLIEGE UND DER SPINNE

Ich machte eine Reise, von der will ich euch erzählen:

Es war einmal ein König, der viele Kriege auszufechten hatte, doch er gewann sie und nahm viele Gefangene. (Inmitten seiner Worte, als er anfing diese Geschichte zu erzählen, sagte er: „Vielleicht denkt ihr, dass ich euch alles erzählen werde und ihr werdet es verstehen können“).

Jedes Jahr, an dem Tag, als er den Krieg gewonnen hatte, veranstaltete er einen großen Ball. Auf diesem Ball waren alle königlichen Minister und Regenten zugegen, so wie es bei Königen üblich ist. Man führte dort Komödien vor und spottete über alle Nationen, über die Türken und andere Völker. Sie imitierten das Benehmen, wie auch die Sitten jeder Nation. Höchstwahrscheinlich spottete man auch über die Juden.

Der König ließ sich das Buch bringen, in dem die Sitten und das Verhalten jeder Nation aufgeschrieben stehen. Der König merkte, dass auf jede Seite, die er aufschlug, genau das Verhalten und die Sitten standen, wie man sie in der Komödie vorgespielt hatte. Wahrscheinlich hatte derjenige, der die Komödien veranstaltete, ebenfalls das Buch gelesen.

Inzwischen, während der König über dem Buche saß, sah er, wie eine Spinne an der Kante der Blätter entlangkroch. Auf der anderen Seite saß eine Fliege. Und wohin geht die Spinne? Vermutlich zu der Fliege. Während die Spinne in Richtung der Fliege kroch, kam ein Windstoß und hob das Blatt hoch, die Spinne konnte nicht mehr zu der Fliege, also kehrte sie um.

Sie tat aber nur so, als ob sie umkehrte und nicht mehr zu der Fliege hingehen wolle. Danach kehrte das Blatt an seinen Platz zurück. Wieder ging die Spinne in Richtung der Fliege, doch das Blatt hob sich wiederum und ließ es nicht zu, also kehrte die Spinne wieder um. So verlief es etliche Male.

Danach kroch die Spinne wieder zu der Fliege, so weit, bis sie mit einem Bein an dem Blatt hing. Wiederum erhob sich das Blatt und die Spinne befand sich schon fast auf dem Blatt, da legte das Blatt sich ganz flach und die Spinne wurde zwischen den Blättern eingeklemmt. Dort kroch sie herum, zwischen den Blättern, bis ganz tief hinein, bis von ihr nichts übrigblieb. (Was sich mit der Fliege getan hat – werde ich euch nicht erzählen).

Der König sah alles und wunderte sich sehr. Er verstand, dass dies keine einfache Sache sei und dass man ihm damit etwas zeigen wolle. (Alle Minister sahen, dass der König darauf schaute und sich wunderte). Der König begann darüber nachzudenken, was es zu bedeuten habe und schlummerte über dem Buche ein.

Er träumte, dass er einen Diamanten hielt und darauf schaute. Scharenweise kamen Menschen aus dem Diamanten heraus, daher warf er den Diamanten aus seiner Hand.

Bei Königen ist es üblich, dass über ihnen ein Portrait hängt und über dem Portrait hängt eine Krone. Er sah im Traum, wie die Menschen, die aus dem Diamanten hervorkamen, das Portrait nahmen und ihm den Kopf abschnitten. Danach nahmen sie die Krone, warfen sie in den Schlamm und rannten auf ihn zu, um ihn zu töten. Ein Blatt von dem Buch, auf dem er lag, erhob sich und beschützte ihn. Also konnten sie ihm nichts antun und gingen weg. Danach fiel das Blatt auf seinen Platz zurück, daraufhin wollten sie ihn wieder töten. Das Blatt erhob sich wieder, wie vorhin. So ging es etliche Male. Der König wollte sehen, welches Blatt es sei, das ihn beschützte, wessen Traditionen darauf stünden und um welches Volk es sich handle.

Der König aber fürchtete sich, nachzusehen und begann zu schreien: „Gewalt! Gewalt“!

Alle Minister, die dort saßen hörten es und wollten ihn aufwecken, es ist jedoch nicht ziemlich, einen König aufzuwecken. Also machten sie Lärm um ihn herum, um ihn aufzuwecken, aber er hörte nicht.

Inzwischen kam ein hoher Berg zu ihm und fragte ihn: „Weshalb schreist du? Ich schlafe schon so lange Zeit und niemand hat mich aufgeweckt“! (Das sagte der Berg zum König).

Darauf sagte der König: „Wie soll ich nicht schreien, da man sich gegen mich erheben und mich töten will. Nur dieses Blatt beschützt mich“. Der Berg antwortete: „Wenn dieses Blatt dich beschützt, so brauchst du vor gar nichts Angst zu haben. Denn auch gegen mich erheben sich viele Hasser, nur dass das Blatt mich beschützt. Komm, ich werde es dir zeigen“.

Er zeigte ihm, wie um den Berg herum Tausende und Myriaden von Hassern standen, sie hielten Festmahle und waren fröhlich. Musikanten spielten und es wurde getanzt. Der Grund der Freude war, dass viele der Hasser darüber nachdachten, wie man auf den Berg hinaufgehen werde. Deshalb machten sie ein großes Fest, feierten Bankette und man musizierte und tanzte.

So verläuft es bei jeder Gruppe. Nur gibt es über diesen Vorgängen das Blatt, das dich und mich beschützt.

Auf der Spitze des Berges steht eine Tafel, dort stehen die Sitten des Blattes, das ihn beschützt und von welchem Volk es ist. Da der Berg jedoch sehr hoch ist, kann man die Schrift nicht lesen. Unten am Berg steht eine Tafel, auf der steht, dass nur derjenige hinaufsteigen kann, der noch alle Zähne besitzt.

Der Ewige, gelobt sei Er, veranlasste dass dort, wo man den Berg besteigen konnte, eine Grassorte wuchs, die allen, die dorthin kamen, alle Zähne ausfallen ließ. Ob man zu Fuß kam, oder mit Wagen voll Vieh fuhr, alle Zähne fielen hinaus. Und dort lagen weiße Haufen von Zähnen, so hoch wie Berge.

Danach nahmen die Menschen aus dem Diamanten das Portrait, hängten es wieder auf wie zuvor. Die Krone nahmen sie, wuschen sie ab und hängten sie wieder an ihren Platz zurück. Der König wachte auf und blickte sofort auf das Blatt, das ihn beschützte, von welcher Art und von welchem Volk es sei. Er sah dort, dass es die Sitten der Juden waren. Er begann mit Wahrheit auf das Blatt zu blicken und verstand die echte Wahrheit. Es wurde ihm klar, dass er Jude werden würde.

Nur was sollte man tun, um die ganze Welt zum Guten zurückzubringen, sie alle zu der Wahrheit zu bekehren? Also beschloss er, zu einem Weisen zu fahren, der ihm den Traum wahrheitsgemäß deuten werde. (D.h., der ihm den Traum so deuten sollte, wie es wirklich war).

Er nahm zwei Menschen mit sich mit und fuhr nicht als König auf der Welt herum, sondern als einfacher Mensch. Er fuhr von Stadt zu Stadt und fragte: „Wie kommt man zu einem Weisen, der einen Traum wahrheitsgemäß deuten kann“? man berichtete ihm, dass sich an einem gewissen Ort ein solcher Weiser befinde.

Er fuhr dorthin, kam zu dem Weisen und sagte ihm die Wahrheit, er sei der König, habe seine Kriege gewonnen und erzählte ihm die ganze Geschichte, die sich ereignet hatte.

Da sagte der Weise: „Ich selbst kann den Traum nicht deuten. Es gibt aber eine gewisse Zeit, an einem gewissen Tag, in einem gewissen Monat, da sammle ich alle Spezereien des Räucherwerks zusammen (d.h. alle Gewürze, aus denen man Räucherwerk anfertigt) und fertige dann meine Mischung an. Man räuchert einen Menschen mit dem Räucherwerk, dieser Mensch behält in seinen Sinnen, was er sehen und wissen möchte, dann weiß er alles.

Der König überlegte, da er doch schon so viel Zeit damit verbracht hatte, könne er noch bis zu dem Tag in jenem Monat, (wie der Weise es ihm erzählt hatte) warten.

Es kam der Tag und der Weise tat es ihm so und räucherte ihn mit dem Räucherwerk. Der König begann zu sehen, sogar was mit ihm geschehen war, noch bevor er geboren worden war, damals, als seine Seele sich noch in der oberen Welt befunden hatte (d.h. auf der kommenden Welt).

Er sah, wie man seine Seele durch alle Welten führte und man rief aus: „Wer über ein Verschulden dieser Seele zu berichten hat (d.h. etwas Schlechtes erzählen) soll kommen“. Es fand sich niemand, der über eine Schuld zu berichten hatte.

Da kam einer und schrie: „Herr der Welt, höre mein Gebet. Wenn dieser auf die Welt kommt, was habe ich dann noch zu tun und wofür hast Du mich erschaffen“? Es war der Satan. (D.h. es war der Satan selbst, der dies geschrien hatte. Er schrie, wenn diese Seele herunterkäme, werde er nichts mehr zu tun haben. Man antwortete ihm: „Diese Seele muss auf die Welt kommen und du, überlege dir einen Rat“. Also ging er weg (der geschrien hatte).

Man führte die Seele weiter durch Welten, bis man sie vor das Himmlische Gericht brachte, um sie zu beschwören, auf die Welt hinunter zu gehen. Und er (der Satan, der zuvor geschrien hatte) war noch nicht gekommen, also schickte man einen Gesandten nach ihm.

Er kam und brachte einen Alten mit – einen Gebeugten, den er schon lange gekannt hatte und er lachte und sagte: „Ich habe mir schon einen Rat gegeben, die Seele kann schon auf die Welt hinunter gehen“. Also ließ man die Seele sein und sie kam auf die Welt herab.

Der König sah, was mit ihm geschehen war, vom Anfang bis zum Ende, wie er König geworden war, die Kriege, die er gefochten hatte und dass er viele Gefangene gemacht hatte.

Unter den Gefangenen befand sich eine Schönheit, auf der alle Lieblichkeit der Welt zu finden war. Nur stammte diese Lieblichkeit nicht von ihr selbst, sondern sie trug einen hängenden Diamanten, aus dem strömte dieser Liebreiz. Deswegen glaubte man, sie selbst würde diese Grazie besitzen.

Und auf den Berg kann man nicht hinaufkommen, es sei denn die Weisen und die Reichen usw. (Und weiter hat er nicht erzählt). Doch darin liegt noch viel Inhalt. (Ab „und nahm Gefangene“ bis zum Schluss wurde es nicht korrekt aufgeschrieben, wie er es erzählt hatte).

Psalm 3: Psalm von David, da er floh usw. Ewiger, wieviel sind meine Feinde, wieviel, die aufstehen gegen mich usw. Aber Du, Ewiger, beschützt mich, meine Ehre und richtesst mein Haupt empor. Mit meiner Stimme zum Ewigen rufe ich und Er antwortet mir von Seinem heiligen Berge, Selah. – Und der besagte Berg. „Ich lege mich nieder und entschlummere“ – wie gesagt – „Ich erwache usw. Ich fürchte mich nicht vor den Myriaden, die sich rund um mich aufstellen gegen mich…, denn Du schlägst allen meinen Feinden auf die Wange; die Zähne der Frevler zerbrichst Du“. Wie ihnen die Zähne ausfielen, als sie den Berg besteigen wollten. „Über Deinem Volke Segen, Selah.

Halte inne und du wirst Erstaunenswertes sehen. Wenn du eine Seele besitzt, wirst du dein Fleisch bei deinen Zähnen tragen und dein Leben wagen. Du wirst innehalten, bebend und staunend, dein Haar wird sich sträuben und du wirst dich immer wieder wundern über Dinge, die sich in den Höhen des Himmels befinden.

8. Geschichte

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