Es war einmal ein König, bei dem gab es einen Weisen. Der König sprach zu dem Weisen: „Es gibt einen König, dessen Siegel (Unterschrift) besagt, er sei ein großer Held, ein Mensch von Wahrheit und Bescheidenheit. (D.h. ein wahrheitsliebender Mensch und er hält nichts von sich selbst). Ein großer Mann ist er – das weiß ich, da das Meer sein Land umringt. Auf diesem Meer stehen Armeen auf Kanonenschiffen und lassen niemanden näherkommen. Vor dem Meer ist ein großer Sumpf, in dem man ertrinken kann, rund um sein Land, da gibt es nur einen kleinen Weg, so dass nur ein einzelner Mensch durchgehen kann. Auch dort stehen Kanonen. Wenn jemand mit kriegerischen Absichten kommt, wird mit den Kanonen geschossen, sodass man sich nicht nähern kann.
Dass er sich unterzeichnet als Mensch von Wahrheit und als Bescheidener, das weiß ich nicht. Ich will, dass du mir das Gemälde dieses Königs bringst. Er hat die Portraits von allen Königen, sein Bild jedoch befindet sich bei keinem anderen König, weil dieser König vor den Menschen verborgen ist. Er sitzt hinter einem Vorhang und ist von den Bürgern seines Landes weit entfernt.
Der Weise ging in jenes Land. Er überlegte, dass er das Wesen des Landes kennenlernen wollte. Wie wollte er die Art des Landes erkennen? Durch seinen Humor. Denn wenn man etwas erkennen will, muss man den Humor dieser Sache kennen. Denn es gibt verschiedene Arten von Humor. Eine Art von Humor ist, jemandem mit seinen Worten zu schaden und wenn derjenige es dann ernst nimmt, sagt man zu ihm: „Ich wollte doch nur scherzen“.
Wie es geschrieben steht (Sprüche 26): Wie einer, der zum Zeitvertreib Brandgeschoße verschießt und danach sagt: „Ich habe doch nur gescherzt“. Und ebenso gibt es einen Humor, der es wirklich scherzhaft meint und trotzdem dem anderen schadet mit seinen Worten. So gibt es mehrere Arten von Humor.
Unter allen Ländern gibt es ein Land, das alle Länder umfasst (d.h. dieses Land ist die Hauptsache und der Kernpunkt aller Länder). In diesem Land gibt es eine Stadt, die umfasst alle Städte dieses Landes, das alle Länder umfasst. In dieser Stadt gibt es eine Stube, die alle Stuben der ganzen Stadt umfasst und diese Stadt umfasst usw.
Dort gibt es einen, der alle Witze und Streiche der ganzen Stadt treibt.
Der Weise nahm sehr viel Geld mit und ging dorthin. Er sah, dass man dort einige Arten von Witzen und Gespött trieb. Aus der Art des Humors verstand er, dass das ganze Land voller Lügen war. Denn er sah, dass man darüber lachte, wie man Menschen in Geschäften betrügt und wie der dann zu dem zuständigen Amt kommt, um anzuklagen. Dort ist jedoch alles korrupt und sie nehmen Bestechungen an. Dann geht er zum höheren Amt und auch dort ist alles voller Lügen. Und sie verspotten alle diese Dinge in ihren Witzen und ahmen sie nach.
Der Weise verstand aus dieser Art von Humor, dass das ganze Land voller Lügen und Betrug war und es überhaupt keine Wahrheit gab in diesem Land. So ging er und machte Geschäfte in dem Land und ließ sich in den Geschäften betrügen. Dann ging er, um sich im Amt zu beklagen. Dort war alles voller Lügen und sie nahmen Bestechung – heute war er es, der sie bestach, doch am Morgen danach kannten sie ihn nicht mehr.
Er ging zum höheren Amt und dort war auch alles voller Lügen, bis er vor den Senat kam. Auch dort war alles voller Lügen und Bestechung. So ging es weiter, bis er vor den König selbst kam.
Als er vor den König kam, rief er aus und sagte: „Über wen bist du König? Das ganze Land ist mit Lügen überfüllt und es gibt darin überhaupt keine Wahrheit“. Und er begann, die ganze Falschheit des Landes darzulegen. Als der König diese Worte hörte, neigte er sein Ohr näher zu dem Vorhang hin, um seine Worte genau zu hören.
Dem König erschien es ein großes Wunder, dass sich ein Mensch finden ließ, der über die ganze Falschheit des Landes Bescheid wusste. Die Minister des Königs hörten seine Worte und wurden sehr verärgert über ihn.
Der Weise erzählte weiter über die Verlogenheit des Landes und sprach: „Man hätte meinen können, der König wäre auch wie seine Bürger, dass er ebenfalls Lügen liebe, wie sein Land. Aber das Gegenteil ist der Fall, gerade dadurch sieht man, dass du ein Mensch der Wahrheit bist, weil du weit entfernt von ihnen bist – weil du die Verlogenheit des Landes nicht ertragen kannst“. Und er begann, den König sehr zu loben.
Der König war sehr bescheiden und an der Stelle seiner Bescheidenheit befand sich die Stelle seiner Größe, denn so zeigt sich die Art und Weise des Bescheidenen. Je mehr man ihn lobt, desto bescheidener wird er in seinen Augen.
Und da der Weise den König so sehr lobte und hochschätzte, gelangte der König zu so großer Bescheidenheit und Kleinheit, dass er sich nicht mehr zurückhalten konnte und den Vorhang abwarf, um zu sehen, wer dieser Weise war, der alles wusste und verstand.
Und das Gesicht des Königs ward enthüllt, der Weise sah ihn und malte sein Portrait und brachte es zu seinem König.
7.Geschichte