Es war einmal ein König, der keine Kinder hatte. Also konsultierte er Doktoren, um sein Königtum nicht an Fremde zu verlieren. Die Ärzte halfen ihm nicht, also erließ er ein Dekret, die Juden mögen für ihn beten, er solle Kinder haben.
Die Juden suchten und fand einen verborgenen Zaddik (Gerechten), sie sagten ihm, dass er beten solle und bewirken, dass der König Kinder haben solle. Er erwiderte, er wisse gar nichts. Sie meldeten es dem König (dass es einen verborgenen Zaddik gibt, nur sagt er, er wisse gar nichts). Da schickte der König ihm einen Befehl und man brachte ihn vor den König. Der König begann, gütig mit ihm zu sprechen: „Du weißt doch, dass die Juden in meiner Hand sind, ich kann mit ihnen tun, was ich möchte. Daher bitte ich dich gutmütig, bitte bete für mich, ich solle Kinder haben“. Der Zaddik versprach ihm, er werde in diesem Jahr ein Kind haben und ging nach Hause.
Die Königin gebar eine Tochter und diese Königstochter war eine große Schönheit. Als sie vier Jahre alt war, kannte sie alle Weisheiten, konnte alle Sprachen sprechen und auf Instrumenten spielen. Alle Könige aller Länder fuhren hin, um sie zu sehen und der König genoss viel Freude an ihr.
Hernach wünschte der König sich sehr, einen Sohn zu haben, damit sein Königtum nicht an einen Fremden gehe. Er schickte wiederum ein Dekret an die Juden, für ihn zu beten, dass er einen Sohn haben solle. Sie suchten den ersten Zaddik, fanden ihn jedoch nicht, da er schon gestorben war. Sie suchten weiter und fanden noch einen verborgenen Zaddik und überbrachten ihm den Befehl, zu beten, der König solle einen Sohn haben. Der sagte auch, er wisse gar nichts und wieder meldeten sie das dem König. Der König sagte dem Zaddik das Gleiche: „Du weißt doch, dass die Juden in meiner Macht sind usw.“
Da sagte ihm der Weise (der Zaddik): „Wirst du aber tun können, was ich dir anordnen werde“?
Der König versprach es. Da sagte der Weise zu ihm: „Ich verlange, dass du alle Sorten von Edelsteinen bringst, da jeder Edelstein eine andere Wirksamkeit hat“. (Segula – Kraft), Es gibt nämlich bei Königen ein Buch, in dem alle möglichen Edelsteine aufgeschrieben sind.
Da sagte der König: „Ich würde die Hälfte meines Königreichs hergeben, um einen Sohn zu haben“. Und er ging und brachte ihm alle Sorten von Edelsteinen. Der Weise nahm sie und zerrieb sie. Danach nahm er einen Becher Wein und streute das Edelsteinpulver hinein. Eine Hälfte des Weines gab er dem König zu trinken, die andere Hälfte der Königin. Und er sagte ihnen, sie würden einen Sohn bekommen, der ganz aus Edelsteinen bestehen und in sich alle Eigenschaften (Segulot) vereinen werde, welche den Edelsteinen innewohnen. Dann ging er nach Hause.
Die Königin gebar einen Sohn und dem König wurde große Freude zuteil. Der Sohn war jedoch nicht aus Edelsteinen…
Als er vier Jahre alt war, war er sehr hübsch, gebildet in allen Weisheiten und kannte alle Sprachen. Und alle Könige fuhren dorthin, um ihn zu sehen.
Der Königstochter schien es, dass sie nicht mehr so wichtig war und sie wurde sehr eifersüchtig. Es war ihr einziger Trost, dass der Weise gesagt hatte, er werde aus Edelsteinen bestehen, dass er zwar schön und klug war, jedoch nicht aus Edelsteinen bestand.
Einmal schnitzte der Königssohn ein Stück Holz und schnitt sich am Finger. Die Königstochter lief schnell zu ihm, um seinen Finger zu verbinden und sah dort einen Edelstein. Sie wurde sehr neidisch auf ihn und stellte sich krank.
Es kamen mehrere Doktoren, doch die konnten sie nicht heilen. Man rief Zauberer, dabei war eine Hexe, der verriet sie die Wahrheit, dass sie sich krank stelle wegen des Bruders, usw. Sie fragte sie, ob es möglich sei, einen Menschen so zu verzaubern, dass er Lepra bekommen solle und sie sagte, das sei möglich.
Da sagte sie zu der Hexe: „Vielleicht wird er sich einen anderen Hexer suchen, der den Zauber nichtig macht und er wird geheilt“?
Die Hexe antwortete, wenn man den Zauber ins Wasser werfe, könne er nicht annulliert werden.
Sie tat es so und warf den Zauber ins Wasser. Der Königssohn wurde sehr leprös und hatte Aussatz an der Nase, am Gesicht und am restlichen Körper.
Der König konsultierte Doktoren und Hexer, doch die halfen ihm nicht. Er erließ wieder ein Dekret an die Juden, sie sollen beten. Die suchten den Zaddik (der gebeten hatte, der König solle einen Sohn bekommen usw.) und brachten ihn vor den König. Und dieser Zaddik betete ständig zum Ewigen, gelobt sei Er – da er doch dem König versprochen habe, dass der Sohn gänzlich aus Edelsteinen beschaffen sein werde und es wurde nicht erfüllt. Und er argumentierte mit dem Gelobten: „Habe ich es etwa meiner Ehre wegen getan? Ich habe es doch nur Deiner Ehre wegen getan und nun wurde das, was ich versprochen habe, nicht erfüllt“.
Und der Zaddik kam zum König und betete bezüglich des Aussatzes des Königssohnes, dass er geheilt werden solle, aber es half nicht. Man verkündete ihm, es wäre der Zauber einer Hexe. Doch der Zaddik war höher als alle Zauberer.
Also kam er zum König und verkündete ihm, es sei ein Zauber, den man ins Wasser geworfen habe und dass der Königssohn nicht geheilt werden könne, es sei denn, man würde die Hexe, die den Zauber verhängt hatte, ins Wasser hineinwerfen.
Da sagte der König: „Ich bringe dir alle Hexer, man soll sie alle ins Wasser hineinwerfen, nur dass mein Sohn geheilt werden möge“!
Die Königstochter bekam große Angst und lief zum Wasser, um den Zauber herauszuholen, denn sie wusste, wo er sich befand und fiel in das Wasser hinein. Es gab einen großen Aufschrei, dass die Königstochter ins Wasser gefallen sei.
Der Zaddik kam und verkündete, der Königssohn werde nun geheilt werden. Er wurde geheilt, der Aussatz trocknete aus und fiel ab und die ganze Haut schälte sich ab. Er war vollkommen aus Edelsteinen und vereinte in sich alle Wirksamkeiten der Edelsteine. Denn als die Haut sich von ihm ablöste, sah man, dass er gänzlich aus Edelsteinen war, wie der Zaddik gesagt hatte.
6.Geschichte